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Martin Netzer (links) mit Claudia Schmied und Christian Wiesner

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BIFIE-Direktor 1: Martin Netzer ist am Standort Wien unter anderem für die Zentralmatura zuständig.

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BIFIE-Direktor 2: Christian Wiesner verantwortet in Salzburg die Bildungsstandards-Erhebungen und die Internationalen Vergleichstest wie die PISA-Studie.

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Das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung (BIFIE) hat turbulente Zeiten hinter sich: Der Rechnungshof kritisierte die Einrichtung, der ehemalige Direktor Josef Lucyshyn wurde wegen "wesentlicher Schwächen im Kontrollsystem" abberufen, er klagt nun vor dem Arbeitsgericht. Auch der Vertrag des zweiten Direktors Günter Haider wurde nicht verlängert.

Seit 1. April hat die Einrichtung nun zwei neue Leiter: Martin Netzer und Christian Wiesner teilen sich die Aufgaben des Instituts, das unter anderem für die Durchführung der Zentralmatura und des PISA-Tests sowie die Erhebung der Bildungsstandards zuständig ist. "Ich freue mich sehr, dass wir für das BIFIE zwei Personen an der Spitze habe, die mit unserem Haus verbunden sind", sagte Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) bei der Präsentation der neuen Leitung am Dienstag.

Netzer war bisher stellvertretender Sektionschef und Bereichsleiter für Erwachsenenbildung im Ministerium, Wiesner als Zentrumsleiter des Zentralen Managements und Services schon bisher am BIFIE. "Mit Martin Netzer gelingt es, die Verbindung ins Haus, die in der Vergangenheit nicht immer friktionsfrei war, zu verbessern. Wiesner ist ein BIFIE-Insider", sagte Schmied.

Ziel: "Vertrauen"

Ein Ziel des neuen Führungsduos soll es sein, das "Vertrauen in die Projekte österreichweit zu verbessern", so Schmied. Netzer wird im BIFIE am Wiener Standort für die Matura zuständig sein und die Erstellung des Nationalen Bildungsberichts, der all drei Jahre erscheint, leiten. Wiesner wird in Salzburg für die Bildungsstandards und die internationalen Tests wie PISA, TIMSS und PIRLS verantwortlich sein. Zusätzlich gehören Bildungsforschungs-, Begleitforschungs- und Evaluationsprojekte zu seinem Aufgabenbereich.

Neuer Direktor: "Verspätetes Ostergeschenk"

Wiesner sieht die Bildungsstandards als seine zentrale Aufgabe, "weil sie eine echte Innovation bedeuten", insbesondere ob der flächendeckenden Ausrichtung: "Das ist ein Prozess der Qualitätsentwicklung, die wir bisher so nicht hatten."

Trotz alle Querelen der Vergangenheit sieht Netzer das BIFIE in einem "guten Zustand", der neue Job sei ein "verspätetes Ostergeschenk". Neben seiner drei Aufgabenbereiche will Netzer die Kommunikation verbessern, vor allem auch mit den Lehrern. "Ich werde viel Zeit darauf verwenden, dass die Informationen verdaubar sind", so Netzer. Die Kommunikation müsse vielfältig verlaufen und sowohl die Schüler als auch die Lehrer und die Lehrerbildungseinrichtungen erreichen.

"Achse zum Bildungsministerium"

Zusätzlich will Netzer die "Achse" zum Bildungsministerium verbessern.  Als logistische Herausforderung sieht er die Umsetzung der Zentralmatura. Bis 2016 sollen 42.000 Schülerinnen diese absolvieren, dann müssen pro Jahr 350.000 Aufgabenhefte erstellt und verteilt werden. Derzeit nehmen 12.000 Schüler an der zentralen Reifeprüfung teil.

Über die Unterscheide zu seinem Vorgänger Günter Haider sagte Netzer: "Ich kenne Dr. Haider zu wenig. Ich glaube nicht, dass die Situation so ist, dass sich so viel ändern muss." Netzer räumt aber ein, dass die Aufbaujahre des BIFIE nicht einfach waren: "Ich bin froh, dass ich nicht die letzten fünf Jahre, sondern die nächsten fünf Jahren leiten muss."

Kritik an Budget

Zum Finanzgebaren seiner Vorgänger, das der Rechnungshof in einem Bericht kritisiert, wollte sich Wiesner nicht äußern. "Ich kenne die Projekte sehr gut, die Letztverantwortung hatte ich aber nicht", sagte Wiesner, der bislang auch an der Erstellung der Budgetpläne mitgewirkt hat. "Man hat aber nicht nicht darauf geschaut."

Auf das Budget habe sich Bildungsstandards und Zentralmatura stärker ausgewirkt, diese seien wesentlich komplexer als interationale Studien. Schmied betonte die Verbesserung der Kontrollfunktionen und des Rechnungswesens, die in den vergangenen Wochen eingeleitet worden seien. Ende April soll zudem ein Bericht eines Rechnungsprüfers präsentiert werden. Schmied stellt klar: "Es geht darum, dass es ein klares Vier-Augen-Prinzip gibt."

Für die nächsten Jahre sind 20 bis 23 Millionen Euro pro Jahr für den Betrieb des BIFIE vorgesehen. Die Ministerin rechtfertigt den im Vergleich mit anderen Ländern höheren Preis für die Ausrichtung der Zentralmatura auch mit der "Vielfalt des Schulsystems". Schmied: "Das Geld ist gut angelegt."

Keine Standortzusammenlegung

Noch nicht abgeschlossen ist das Verfahren zwischen dem ehemaligen Direktor Lucyshyn, der abgesetzt wurde, und dem Ministerium. "Es wird auch ein Disziplinarverfahren gegen Lucyshyn geben", sagte Schmied. Lucyshyn hat am Arbeits- und Sozialgericht gegen seine Kündigung geklagt, der Prozess läuft noch.

Eine Verlagerung auf einen anderen Standort schließt Schmied hingegen aus. Das BIFIE bleibt somit in Salzburg ebenso angesiedelt wie in Wien. "Entscheidend für das BIFIE sind die Mitarbeiterinnen. Wir haben an beiden Standorten ein Team. Wir denken nicht daran, das Standortkonzept zu ändern." Die Zusammenarbeit der zwei Standorte solle aber intensiviert werden, es müsse klar sein, "dass wir ein BIFIE haben und nicht zwei". (seb, derStandard.at, 2.4.2013)