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Wien - Kein Stein sollte bei Niedermeyer mehr auf dem anderen bleiben, innerhalb von drei Jahren sollte der Sprung in die Gewinnzone gelingen. Er sei gekommen, um zu bleiben, ließ Werner Weber 2009 wissen und kündigte an, die Elektrokette von ihrem angestaubten Image zu befreien. Seit Montag ist der Konzern insolvent.
15 Jahre, fünf Eigner
An die fünf Mal wechselten bei Niedermeyer in den vergangenen 15 Jahren die Eigentümer. Ein jeder versprach neue Perspektiven, Millionen wurden investiert. Nun hofft die Kette erneut auf Retter.
Niedermeyer erlitt zuletzt laut Bilanz Verluste von 2,9 Millionen Euro. 580 Mitarbeiter setzen in österreichweit 98 Filialen 105 Millionen Euro um, etwa halb so viel wie noch vor zehn Jahren. Weber baute etliche Shops um, verlegte sie an bessere Standorte. Dennoch blieb die Zahl der kleinen Läden in ungünstigen Lagen hoch.
2011 startete eine Kooperation mit dem deutschen Versandhändler Cyberport. Kunden sollten Ware online ordern und in den Filialen abholen können. Mittlerweile geht ein Fünftel des Umsatzes auf das Multi-Shopping-Konzept. Die Synergien blieben jedoch ebenso aus wie die Erträge. Niedermeyer selbst gibt der starken Expansion der Großflächendiskonter Schuld am Scheitern. Zudem übten reine Onlinehändler hohen Druck aus. Die Kunden werteten die Kette als "Nahversorger alten Zuschnitts", der an neuen Entwicklungen unzureichend partizipierte, ist dem Insolvenzantrag zu entnehmen.
280 Mitarbeiter gehen
Der Konzern, der Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung anstrebt, bereitet harte Schnitte vor: 53 Standorte schließen, 280 Mitarbeiter müssen gehen. Gläubigern steht eine Quote von 20 Prozent bevor, was auch einige Lieferanten in die Bredouille bringen könnte. Etliche sollen Warenlieferungen schon in den vergangene Wochen gestoppt haben, da ihnen die Luft zu dünn wurde.
Niedermeyer selbst verspricht weit gediehene Gespräche mit einem Investor. In der Branche gilt der Unternehmer Josef Taus als interessiert. Weber engagierte sich bei ihm einst bei der Sanierung von Libro und Pagro. Taus selbst winkt auf Anfrage des Standard ab, abgesehen davon, dass er den Fall noch gar nicht geprüft habe, wie er sagt. Auch Sanierer Anton Stumpf lehnt ab: So viele andere hätten sich schon daran versucht, er habe vor dem Projekt großen Respekt.
Hartlauer will nur Rosinen
Paul Niederkofler, der mit dem Fonds VMS schon einmal die Restrukturierung von Niedermeyer versuchte, hat ebenso wenig Interesse: Es sei eine extrem schwierige Branche, es habe ihn dazu auch keiner angesprochen. Als Retter bietet sich allein der Dayli-Investor Rudolf Haberleitner an. Niedermeyer sei für ihn natürlich ein Thema, er werde das Ganze durchdenken, zumal man deswegen ohnehin schon mehrfach auf ihn zugekommen sei, wie er sagt.
Mitbewerber Robert Hartlauer will sich einige Shops punktuell ansehen, aber keinesfalls mehr, betont er.
Löhne und Gehälter für März zahlte Niedermeyer nicht mehr. Beim Arbeitsmarktservice sieht man in Wien gute Chancen, einen Großteil der betroffenen Mitarbeiter im Handel unterzubringen, da gut ausgebildete Fachkräfte gesucht seien. Gewerkschafter sprechen von eher trüben Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Vor allem im Sporthandel und in Baumärkten wackeln Jobs.
Gutscheine werden Masseforderung
Für Wolfgang Krejcik, Obmann des Elektrohandels, hat sich die Krise bei Niedermeyer lang abgezeichnet. Sie sei kein Problem der Branche generell, die weiter hohe Umsätze erziele, sondern hausgemacht, ist er überzeugt. Man werde sich um die betroffenen Lehrlinge kümmern. Die Kunden fielen nicht um Produktgarantie und -gewährleistung um. Gutscheine jedoch werden Masseforderung.
Insolvenzverwalter wird Georg Freimüller. Ob sich das Unternehmen nachhaltig fortführen lässt, entscheidet sich in den kommenden Wochen; man werde das Erfüllungskonzept genau prüfen, betonen die Kreditschützer Creditreform, KSV und AKV einhellig.
Einzug von Ramschläden
Niedermeyer sei zu klein, um in der Liga der Großen mitzuspielen - und zu groß, um Kosten der Kleinen zu haben, resümiert der Handelsexperte Peter Schnedlitz. Für Multi-Shopping brauche es langen Atem und sehr viel Geld. Elektronischer Nahversorger klinge gut - bei ausgetrocknetem Sortiment in den Filialen helfe jedoch die beste Beratung nichts. Der Stadtentwicklung schade dies alles. Es drohe der Einzug von Ramschläden.
Schnedlitz glaubt an den Erhalt der Marke Niedermeyer, was andere in der Branche bezweifeln und das Schicksal von Cosmos erwarten. Österreichs zweitgrößter Elektrohändler wurde nach seiner Insolvenz völlig abgewickelt, sein Name ist bis auf einen Shop in der Steiermark Geschichte. Niedermeyer besitzt keine Liegenschaften. Fast alle Marken sind an Banken verpfändet. Passiva: 29 Millionen Euro. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 3.4.2013)