Mit Niedermeyer meldet ein weiterer Traditionshändler Pleite an. Wer folgt als Nächster? Auch im Sport- und Möbelhandel oder im Baumarktgeschäft haben die Probleme in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Man könnte durchaus von Schieflagen sprechen. Der Trend zur Größe und zum Internet sind in vielen Fällen die Gefahr, die kleinstrukturierten österreichischen Händlern den Garaus machen. Beraten lässt man sich gerne im Fachgeschäft, gekauft wird beim billigen Multi oder gleich online.

Das trifft die Elektrobranche besonders, in der kleine oder mittelgroße Anbieter das umfassende Sortiment nie abbilden und bei den Preisen schon gar nicht mithalten können. Die Folgen sind alarmierend: Jobs fallen weg, Geschäftsstraßen veröden, Wertschöpfung wandert ab. Das Geschäft machen Amazon & Co, deren Arbeitsbedingungen immer wieder für Empörung sorgen.

In dieser schwierigen Lage sind Handel und Konsumenten gleichermaßen gefordert. Wer im Internet bestellt, sollte nicht über schlechte Nahversorgung klagen. Wer für gerechte Entlohnung eintritt, möge diese Einstellung beim Kauf via Mausklick nicht ausblenden. Geschäfte wiederum müssen zur Kenntnis nehmen, dass sie etwas mehr bieten sollten als geringere Auswahl zum höheren Preis. Jammern mag zwar der Gruß der Kaufleute sein - allein das Internet wird ihn nicht hören. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 3.4.2013)