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Bei Vodafone könnte bald Hand angelegt werden. Bewahrheiten sich die Spekulationen, wird der Konzern übernommen.

Foto: reuters/parivartan sharma

London / New York - Einen Rekord hält Vodafone bereits. Die Übernahme der deutschen Mannesmann durch den britischen Telekomkonzern aus dem Jahr 2000 war und ist mit umgerechnet rund 200 Milliarden Dollar Transaktionsvolumen die teuerste Übernahme der Geschichte. Nun könnte dieser Wert übertroffen werden - und ausgerechnet durch Vodafone. Wobei der Gigant diesmal nicht Käufer, sondern Akquisitionsziel sein soll.

Mögliche Aufspaltung

Stimmen nämlich die Informationen des Blogs FTAlphaville, so soll Vodafone von den US-Größen Verizon und AT&T übernommen und zerlegt werden. Verizon hält derzeit mit Vodafone das Gemeinschaftsunternehmen Verizon Wireless - den Plänen zufolge würden die Amerikaner die Briten auskaufen. Zweiter Akt laut Drehbuch: AT&T erwirbt das "restliche" Vodafone-Geschäft, also insbesondere die Europa-Aktivitäten des A1-Partners. In Summe käme die Transaktion auf ein Volumen von 245 Milliarden Dollar, womit der Mannesmann-Rekord Geschichte wäre. Für Vodafone-Aktionäre würde das eine Prämie von 40 Prozent auf den aktuellen Börsenkurs bedeuten, heißt es in dem Blog.

Keine der drei involvierten Parteien wollten zu dem Bericht keinen Kommentar abgeben. Der Deal soll laut FTAlphaville von der Investmentbank Barclays betreut werden. In der Branche gab es eher gemischte Kommentare. Marktteilnehmer scheinen das Gerücht zumindest nicht gänzlich zu ignorieren: Die Vodafone-Aktie hob am Nachmittag um mehr als fünf Prozent ab und verlieh dem gesamten Telekomsektor Auftrieb.

Korsett Steueroptimierung

Ausgangspunkt der Spekulationen ist die 45-Prozent-Beteiligung von Vodafone an Verizon Wireless. Aktionäre des britischen Konzerns hatten wiederholt einen Ausstieg und eine Vergütung des Erlöses - angeblich 115 Milliarden Dollar - in Form von Cash gefordert. Doch diese Version gestaltete sich nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen als unattraktiv: Die Rede war von einer fiskalischen Belastung von 20 Milliarden Dollar. Weshalb bereits vor einem Monat eine Komplettfusion von Verizon und Vodafone an der Gerüchtebörse die Runde machte.

Dass nun auch AT&T von der Spekulationswelle erfasst wurde, dürfte mit den Bestrebungen des Konzerns zu tun haben, stärker international Fuß zu fassen. Das Europageschäft gilt zwar wegen niedriger Margen als unattraktiv, gleichzeitig haben die niedrigen Kurse der Betreiber bereits einige Investoren angelockt. Telekom Austria weiß davon ein Lied zu singen, hat sich doch die von Carlos Slim kontrollierte America Movíl bei den Österreichern eingekauft.

Einige Beobachter begründen ihre Skepsis mit der bisher schon langwierigen Vorgangsweise. Eine Entflechtung in den USA wird von Vodafone seit 2004 thematisiert. (as, DER STANDARD, 3.4.2013)