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Bei schlechtem Wetter hat man immer etwas zu erzählen.

Foto: Luigi Costantini/AP

Bei Sonne kann sich jeder Idiot gut unterhalten. Dieser Ausspruch gilt insbesondere fürs Reisen. Reichen bei Schönwetter oft ein Liegestuhl und ein gutes Buch für Urlaubsharmonie, wird es bei Tiefdruck erst so richtig spannend. Entgegen anders lautender Meinungen haben Schnee im April, Eisregen auf der Küstenstraße etc. doch etwas Gutes: Man hat immer etwas zu erzählen.

Zum Beispiel wie die Eisplatten von der Plane des LKWs direkt vor einem auf der Fahrbahn zerschellten, die Straßenschilder am Meer von gefrierender Bora gerüttelt und nicht gerührt wurden oder die Wirklichkeit in Venedig einmal mehr die Hochwasserwarnung übertraf. Die Hoffnung stirbt zuletzt. "Um Mitternacht", sprach die Einheimische, "haben wir Aqua Alta".

Diesen Ausspruch missachtend, wagt sich der Tourist zu später Stunde durch die Gassen, und selbst als der Venezianer schon längst die Gummistiefel überstreift, kapiert er nicht, was es geschlagen hat. Die Flut kommt schwarz, kalt und mit beeindruckender Geschwindigkeit. Noch als alle über die Hochwasserstege hasten, bleiben manche Witzbolde stehen und fotografieren, wie ihnen das Wasser über die Knie steigt. Besonders lustig ist es, wenn mancher Schuhe und Strümpfe ausziehen muss, um barfuß durch den Lagunensaft zu waten. Köstlich – und bei Schönwetter nicht zu haben! (Tanja Paar, derStandard.at, 3.4.2013)