Graz - Von Arteriosklerose bzw. Atherosklerose ausgelöste Plaques, also Ablagerungen in den Blutgefäßen, können unter anderem Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen. Forscher der Grazer "BioTechMed"-Kooperation unter Beteiligung von Med-Uni, Uni und TU arbeiten in einem EU-Forschungsprojekt an der Früherkennung und Behandlung von gefährlichen Atherosklerose-Herden in den Blutgefäßen. Dabei setzen die Forscher ihre Hoffnungen auf Nanotechnologie.

Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes begünstigen die Bildung von entzündlichen Veränderungen an der Innenwand von Blutgefäßen. Diese Plaques können den Blutfluss blockieren. Sie können sich jedoch auch wieder lösen. Dabei kann es zur Bildung von Gerinnseln (Tromben) kommen, die das Gefäß verstopfen und einen Herz- bzw. Schlaganfall verursachen können.

Projekt "NanoAthero"

"Es gibt Menschen, die viele Plaques haben und damit alt werden, andere haben nur wenige, erleiden aber plötzlich einen Schlaganfall oder Herzinfarkt, weil sich ein atherosklerotischer Herd gelöst hat", schildert Harald Mangge vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Med-Uni Graz und österreichischer Koordinator des Projektes "NanoAthero". In dem Projekt unter Leitung des französischen Instituts für Medizinische Forschung (Inserm) wollen europäische Forschungspartner mithilfe der Nanotechnologie die Früherkennung der instabilen (vulnerarblen) Plaques vorantreiben und die Effizienz neuer Therapieansätze prüfen.

Mithilfe des sogenannten "Drug Targeting" wird es u.a. möglich, Arzneimittel so zu "verpacken", dass sie den gewünschten Zielort erreichen, ihre volle Wirkung entfalten und möglichst wenig Nebenwirkungen verursachen. Arzneimittel werden dafür an nanopartikuläre Trägersysteme gebunden, erklärte Andreas Zimmer vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Uni Graz. Diese Technologie eröffnet auch für die Abschätzung des Atherosklerose-Risikos neue Optionen: Die vulnerablen Plaques, in denen entzündliche Prozesse ablaufen, lassen sich z. B. mittels magnetischer Kontrastmittel, die in Nanopartikeln transportiert werden, über Magnetresonanztomografie feststellen.

Erste Zwischenergebnisse

Als Kontrastmittel wird Eisen eingeschleust. Botenstoffe aus dem Fettgewebe steuern den Nanopartikel-Transporter ans gewünschte Ziel im Körper wo sie dann andocken. "Wir haben bereits mehrere Botenstoffe gefunden. Als vielversprechend hat sich laut den Forschern zum Beispiel Adiponectin erwiesen. Das Fettgewebshormon dockt an Proteine an, die aufgrund der Entzündung in den vulnerablen Plaques vorhanden sind", so Mangge.

In vorklinischen Studien soll der Einsatz umfassend geprüft und mit anderen intelligenten Nanosystemen verglichen werden. Neben der verbesserten Diagnostik will man eine Stabilisierung der Plaques durch zielgerichteten Transport von u.a. entzündungshemmenden Arzneistoffen zu den Ablagerungen erreichen. (APA/red, derStandard.at, 3. 4. 2013)