Wien - Augen zu und durch: Franz Hofmann hat schon viele Lehrer kennengelernt, die so mit dem Schulalltag zurande zu kommen versuchen. " Direkt ins Burnout" führe diese Strategie, sagt der Erziehungswissenschafter von der Uni Salzburg - und zu einer fatalen Projektion: "Jene, die über demotivierte Schüler jammern, sind selbst am meisten demotiviert."

Hofmann versucht, etwas gegen die grassierende Frustration zu unternehmen. Verbündet hat er sich mit der Lehrerinitiative Cool (Cooperatives offenes Lernen) aus Steyr, die sich seit 15 Jahren bemüht, " Unruhe ins System" zu bringen, und an die 2000 Mitstreiter gewonnen hat. Man verstehe sich als "Avantgarde", die sich von der nur um die " Pfründen" bemühten Gewerkschaft abhebe, sagt Cool-Aktivist Georg Neuhauser: "Wir wollen nicht nur selbstbestimmte Schüler, sondern auch aufmüpfige Lehrer, die sich nicht alles gefallen lassen."

Dieser Anspruch kollidiere mit der Realität, meint Lehrer Neuhauser. Weil die Autonomie der Schulen gegenüber einem "dekretierenden" Ministerium schwach ausgebildet sei, fühlten sich Lehrer oft " fremdbestimmt". Als Reaktion würden sich viele in den Klassen, wo ihnen niemand dreinredet, abschotten, erzählt Neuhauser. Kollegen um Rat zu fragen werde als Schwäche ausgelegt: "Doch wie soll man bei Schülern Feedback einführen, wenn man es selbst nicht praktiziert?"

Selbststeuerung als Ziel

Neuhauser und Hofmann versuchen, in einem neuen Projekt Auswege zu zeigen. Angeboten werden Seminare, in denen Lehrer und Leitungspersonen an Schulen Strategien für Selbstmotivation, empathischen Umgang mit Schülern oder das Meistern von schwierigen Situationen und Misserfolgen lernen sollen. Als Generalziel geben die Initiatoren die Fähigkeit zur " Selbststeuerung" aus und hoffen, dass dieses Prinzip einmal in die reguläre Lehrerausbildung integriert wird. Vorerst reichte es für ein Pilotprojekt an 15 Schulen, das von der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer und dem Unterrichtsministerium unterstützt wird. (jo, DER STANDARD, 5.4.2013)