Da können die Gegner des Konkordats noch so viel gegen die katholische Kirche vorbringen - die hat's noch drauf. Das muss eine Institution erst zustande bringen: Nach ungefähr siebenhundert Jahren, also bei leicht eingerosteter Routine, einen Papst so rechtzeitig in die Rente gehen zu lassen, dass sein Nachfolger nach minimaler Sedisvakanz gleich mehrere österliche Vollbäder in diversen Mengen nehmen kann, deren Begeisterung über den Tausch des trockenen Theoretikers gegen einen "Papst zum Anfassen" schier grenzenlos ist. Und daher zwangsläufig auch den heimischen Blätterwald überflutete.

Die "Kronen Zeitung" wusste es übrigens schon vorher. "Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass ihm Hunderttausende Pilger zujubeln werden". Aber etwas mehr von einem Propheten hätte dem Blatt nicht geschadet, prophezeite es in der Ostersonntag-Ausgabe doch auch: "Papst Franziskus feiert heute zum ersten Mal Ostern auf dem Petersplatz: mit einem Festgottesdienst, dem traditionellen Segen "Urbi et Orbi" und Grußbotschaften in vielen Sprachen". Gleich vom Start weg sich nicht an das zu halten, was die "Krone" vorgibt, und die "Grußbotschaften in vielen Sprachen" durch den Wunsch, wohl zu speisen, zu ersetzen ist kein optimaler Beginn eines Pontifikats, aber noch sieht es ihm das Blatt nach: "Der argentinische Papst ist für jede Überraschung gut. Lässt keine Gelegenheit aus, um die Konturen seines Pontifikats zu schärfen". Das hat zwar kaum begonnen, aber in der "Krone" "braucht man kein Prophet sein", da genügt auch Dieter Kindermann.

Nicht ganz. In der "Krone bunt" wurde das "Grabtuch von Turin" aus dem redaktionellen Reliquienschrein geholt, leider mit dem Eingeständnis: "Auf die augenscheinlichsten Rätsel des Tuches gibt es bis heute keine schlüssigen Antworten", was natürlich kein Grund sein darf, das "Rätsel" nicht in aller Augenscheinlichkeit allösterlich aufzuwärmen. Den Hauch von Zweifel versucht auf den folgenden Seiten ein "Rechtsanwalt in Wien" mit Freizeit für die Beschäftigung "mit Ethik" unter dem Titel "Glaube: Wunder oder Wissenschaft?" auszuräumen, wobei, um es für den "Krone"-Leser einfach zu machen, das Wort "Wunder" in doppelter Größe und in Rot gesetzt war. Wer dennoch weiterlas, wurde über die Folgen eines Zuviel an Wissenschaft nicht im Ungewissen gelassen: "Eine verantwortungslose, unmoralische und nur am Eigenwohl interessierte Politik stellt die Finanzierung auf Schulden weiter in Aussicht und nährt das Anspruchsdenken sowie die generelle Undankbarkeit: Den Menschen wird weiterhin vorgelogen, dass das, was frühere Generationen als Gnade Gottes angesehen und in demütiger Dankbarkeit hingenommen hätten, heute ein Recht sei, für das man nicht dankt, sondern lautstark einfordert."

Verhärtete Seelen, an denen selbst dieser Aufruf zu "demütiger Dankbarkeit" abprallte, fühlten sich vielleicht von Prof. Dr. Gerti Senger angesprochen, die termingerecht die Auferstehung des G-Punktes feierte, und zwar in Form der heiligen Dreifaltigkeit "Geborgenheit, Gefühl, Glück". Dieser Dreifach-jackpot unterscheidet sich in moraltheologischer Hinsicht positiv vom "herkömmlichen G-Punkt: Auch ohne Partnerschaft kann der G-Punkt, an den ich Sie heute erinnere, ganz leicht stimuliert werden."

"Österreich" bemühte sich, gegen die Konkurrenz mitzuhalten, und erhob den Heiligen Vater zum Frostschutzmittel: "Papst als Mittel gegen den Oster-Frost". Bisher sei ja alles ganz nett gewesen, "doch er steht jetzt unter Druck, den Gesten Taten folgen zu lassen".

Danach sehnte sich in der blauen "Zur Zeit" wieder ein Rechtsanwalt sowie "Gründer der Christen-Allianz und langjährig aktiver Lebensschützer". Er stellt in der Kirche "schwer sündhaften Rechtsmißbrauch" fest, etwa mit dem "Predigtverbot für den höchst erfolgreichen und bemühten Seelsorger Karl Tropper, Pfarrer in St. Veit am Vogau", nur weil er von der Kanzel gegen "Homo-Perverse" gepredigt hat.

Ein noch skandalöseres Beispiel "ist der Umgang mit dem abtrünnigen Priester Helmut Schüller. Der Mann, der wegen der von ihm verbreiteten Forderungen als exkommuniziert angesehen werden muß, ist nicht einmal suspendiert". Frevel! "Er gehört sogar dem Priesterrat der Erzdiözese Wien an". Aber keine Angst. "Wenn Papst Franziskus sich offenbar nicht scheut, die entsetzliche Wirklichkeit des Teufels anzusprechen, dann besteht Hoffnung". Bis Pfingsten sollte der Papst seine Konturen geschärft haben. (Günter Traxler, DER STANDARD, 6./7.4.2013)