Beirut - Zwei Wochen nach dem Rücktritt von Premier Najib Mikati hat der libanesische Präsident Michel Sleiman am Samstag den sunnitischen Politiker Tammam Salam (67) mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Hatte Mikati ein von der schiitischen Hisbollah abhängiges Kabinett geführt, so wird Salam von allen Fraktionen, auch der bisherigen sunnitischen Opposition von Saad al-Hariri, gestützt. Den Kompromiss hat Saudi-Arabien vermittelt, das starke libanesische Interessen hat. Zahlreiche libanesische Politiker waren in der vergangenen Woche in Riad, wo auch Hariri meist lebt.

Es wird davon ausgegangen, dass Salam ein politisches Kabinett der nationalen Einheit bildet, das länger im Amt bleibt, obwohl im Juni Parlamentswahlen anstehen. Andere wünschen sich ein Technokratenkabinett, das so "neutral" ist wie der Regierungschef.

Die Bildung einer Einheitsregierung ist wegen der Partikularinteressen der Gruppen schwierig, offenbar sind jedoch alle zu einer Zusammenarbeit bereit, um das vom syrischen Bürgerkrieg schwer in Mitleidenschaft gezogene Land zu stabilisieren. Bereits im Vorjahr hatten die rivalisierenden Gruppen "8. März" (Hisbollah und Alliierte) und "14. März" (Hariri-Block) eine Verpflichtung, die Baabda-Erklärung, unterzeichnet, die die Neutralität des Libanon im Syrien-Konflikt festhält. (guha, DER STANDARD, 8.4.2013)