Der österreichisch-slowenische Unternehmer Walter Wolf wird von den slowenischen Behörden mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Das Kreisgericht in Ljubljana hat gegen Wolf, der als einer der Angeklagten im slowenischen Patria-Korruptionsprozess seit mehreren Monaten den Gerichtsterminen in Slowenien fernblieb, einen Haftbefehl erlassen, wie slowenische Medien am Montag berichteten.

Im seit eineinhalb Jahren andauernden Prozess in Ljubljana hatte sich Wolf mehrmals aus Gesundheitsgründen entschuldigen lassen. Auch dem Wiener Patria-Prozess, in dem am Freitag ein erstinstanzliches Urteil gesprochen wurde, blieb er jüngst fern. Der Unternehmer, dem in Slowenien Beihilfe bei der Bestechung von Entscheidungsträgern vorgeworfen wird, hält sich Medienberichten zufolge in Kanada auf. Die slowenische Staatsanwaltschaft hatte wegen Fluchtgefahr bereits im vergangenen Herbst Untersuchungshaft für Wolf verlangt.

Der Prozess in Ljubljana, wo fünf Angeklagte vor Gericht stehen, geht laut Medienberichten langsam zu Ende. In dem Prozess ist auch der Ex-Premier Janez Jansa als möglicher Schmiergeldempfänger angeklagt.

Einer der Hauptangeklagten in Wien

Im Wiener Patria-Prozess war Wolf der zweite Hauptangeklagte. Sein Mitangeklagter, der Rüstungslobbyist Hans-Wolfgang Riedl, war wegen Bestechung bei einem finnischen Rüstungsdeal in Slowenien zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr unbedingt, verurteilt worden.

In dem Anklagepunkt der Bildung einer kriminellen Vereinigung mit Wolf war Riedl aber freigesprochen worden. Sollte das Urteil in diesem Punkt Bestand haben, wäre ein Freispruch Wolfs die Folge, da eine kriminelle Vereinigung mindestens zwei Mitglieder haben muss. Das Wiener Urteil ist nicht rechtskräftig, da sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde anmeldeten.

Der finnische Rüstungskonzern hatte im Jahr 2006 den Auftrag zur Lieferung von 135 Radpanzern an die slowenische Armee erhalten. Bei dem Deal im Wert von 278 Millionen Euro sollen über Riedl und Wolf Schmiergelder an slowenische Entscheidungsträger gezahlt worden sein. In Finnland, wo hochrangige Patria-Manager zur Verantwortung gezogen werden sollen, steht die gerichtliche Aufarbeitung der Affäre erst am Beginn. Die Hauptverhandlung soll im August beginnen.
(APA, 8.4.2013)