Acht Wochen: So lange oder so kurz hat sich der US-Außenminister gegeben, um auszuloten, ob und wie israelisch-palästinensische Verhandlungen wieder auf den Weg zu bringen sind. Es ist allerdings nur schwer vorstellbar, dass John Kerry danach vor die Presse tritt und die Sinnlosigkeit seines Vorhabens einräumt. Mit einem Wort: Die USA sind zurück im Nahost-Geschäft, Kerry ist zum dritten Mal in drei Wochen in Jerusalem und Ramallah, und alle Welt rechnet mit einer neuen US-Nahostinitiative in absehbarer Zeit.

In diesen - sicher verlängerbaren - acht Wochen sind beide Seiten, Israelis und Palästinenser, von den USA angehalten, nichts zu tun, was die Atmosphäre weiter vergiftet und die Gesprächsaufnahme noch schwieriger macht: im Wesentlichen keine neuen Siedlungspläne für das Westjordanland auf der einen Seite, keine Schritte in Richtung Internationaler Strafgerichtshof auf der anderen Seite. Damit haben die Palästinenser ein ungewohnt starkes Kaliber in der Hand. 

Dennoch bleibt offen, was Kerry dazu veranlasst zu glauben, der Zeitpunkt für einen Neustart sei der richtige, außer dass die Wahlen sowohl in den USA als auch in Israel vor über sind. In Israel hat es leichte Veränderungen, aber gewiss keinen Paradigmenwechsel gegeben. Und so begrüßen wohl alle Beobachter, dass es US-Präsident Barack Obama noch einmal versuchen will, gleichzeitig hält sich der Optimismus aber in engen Grenzen. Der israelische Kolumnist Ben Caspit schreibt respektlos auf "Al-Monitor", dass "die diplomatischen Friedhöfe der Region voll mit den Leichen von Kerrys Vorgängern" seien - und eine davon, die von Obamas erstem Nahostbeauftragten George Mitchell, sei noch nicht einmal kalt.

Caspit meint, Kerry solle sich auf ein Interimsabkommen konzentrieren, denn Endstatusverhandlungen seien nicht zu schaffen. Dass das für die Palästinenser schwer zu schlucken sein würde, ist anzunehmen: Wenn für die Israelis heute die Linie von 1967 nicht als Basis für Gespräche über eine Grenzziehung infrage kommt, warum sollte das in ein paar Jahren der Fall sein? Auch das Friedensoffert der Arabischen Liga von 2002, das den Israelis als Anreiz - umfassender Frieden mit den Arabern - ans Herz gelegt werden soll, basiert selbstverständlich auf der 1967er-Prämisse. Auch wenn jeder weiß, dass sie so nicht umgesetzt werden wird.

Dass sich die halbe arabische Welt im Aufruhr befindet, macht die Sache nicht leichter. Nicht umsonst versuchen die USA, das israelisch-türkische Verhältnis zu reparieren. Das wäre ohne Triumphgeschrei in Ankara einfacher. Aber wenn die Türken dafür versuchen würden, konstruktiv auf die Hamas einzuwirken, so wäre ihnen das sogar vergönnt.

Ob das für einen neuen Friedensanlauf ausreicht, ist ungewiss, aber ein starkes Interesse teilen die Palästinenserführung und Israel allerdings: die explosive Stimmung unter den Palästinensern, die manche an die Zeit vor der Zweiten Intifada erinnert, her unterzukühlen. Ein Weltbankbericht liefert nun die Zahlen zu den real existierenden Gründen für die Frustration: Den Palästinensern geht es heute nicht besser als 1993, vor zwanzig Jahren, als der Oslo-Friedensprozess begann.  Dazu kommt eine zunehmend härtere Hand israelischer Sicherheitskräfte auf dem Territorium, das die Palästinenser doch meinen, seit November "Palästina" nennen zu dürfen. Eine gefährliche Mischung. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 9.4.2013)