Bild nicht mehr verfügbar.

Schmetterlinge, wohin man schaut: In Michoacán ist wieder einmal Monarchfalter-Saison.

Foto: REUTERS/Felipe Courzo

Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: REUTERS/Felipe Courzo

Oldenburg - Jedes Jahr erlebt die mexikanische Sierra Nevada, insbesondere der Bergwald von Michoacán, eine Invasion von geschätzten 100 Millionen Monarch-Faltern (Danaus plexippus). Die Schmetterlinge leben während der warmen Zeit des Jahres in Kanada und überwintern im Süden. Dazwischen legen sie eine Wanderung von über 3.500 Kilometern hin.

 

Immer wieder beeindruckend: Monarchfalter-Invasion in Michoacán.

Wie sie sich auf dieser gewaltigen Reise orientieren, hat ein internationales Forscherteam untersucht und berichtet darüber in den "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America". "Echte Navigatoren" seien bei der Wanderung nicht am Werk, erklärt der Biologe Henrik Mouritsen von der Universität Oldenburg. Die Wanderfalter verfügen weder über einen Magnetsinn noch über so etwas wie eine "innere Landkarte".

Schmetterlinge im Flugsimulator

Um herauszufinden, wie die Falter ihr Winterquartier ansteuern, reisten die Wissenschafter nach Ontario, wo eine Population von Monarchfaltern beheimatet ist, die zur Überwinterung nach Michoacán fliegt. Zunächst setzten die Forscher Falter in Flugsimulatoren – an der Stelle, wo sie zu ihrem Langstreckenflug aufbrechen. Ein Luftzug ließ die Falter auf der Stelle fliegen, ohne dabei eine Richtung vorzugeben. "Die Falter schlugen durchweg einen südwestlichen Kurs ein. Dabei orientierten sie sich am Stand der Sonne", sagt Mouritsen. Sobald die Flugsimulatoren abgedeckt wurden, fehlte den Tieren die Möglichkeit zur Orientierung.

Als nächstes wurde überprüft, was passiert, wenn man die Falter an einen anderen Ort bringt. Dafür transportierten die Forscher die Flugsimulatoren und Monarchfalter etwa 2.500 Kilometer nach Westen in die Nähe von Calgary in der kanadischen Provinz Alberta. Auch hier schlugen die Schmetterlinge - zum Glück nur im Simulator - den Kurs Richtung Südwesten ein. Die Falter konnten also ihre eigene Position nicht in Relation zum Zielort bestimmen.

"Alle Experimente und Datenanalysen belegen, dass die Schmetterlinge einen Sonnenkompass benutzen, aber keine 'echten Navigatoren' sind. Sie haben keine Karte, um Orientierungsfehler zu korrigieren", betont Mouritsen. Geographische Barrieren wie Gebirge oder Wasser scheinen den Schmetterlingen ebenfalls dabei zu helfen, ihren Weg zu finden. "Die Rocky Mountains im Westen, der Atlantik im Osten und Südosten und der Golf von Mexiko im Süden wirken wie eine Art Trichter, der die Monarchfalter in ihre Überwinterungsgebiete schleust", sagt Mouritsen. (red, derStandard.at, 20.4.2013)