Der Inszenierung nach zu schließen ging es nicht um Inhalte, sondern um ihn. Und es ging auch nicht um sein Team, sondern wirklich um ihn, um Frank Stronach. Das Team fügte sich willfährig in die Kulisse. Das Licht sollte auf einen fallen: auf Fränk. Demütig und ergeben huldigten die Teammitglieder bei der Präsentation des Parteiprogramms ihrem Mentor. Und dann erst der "Spirit". Fränk hat ihn. Und er verteilt ihn. Dieser Personenkult, dem sich Führer wie Gefolgschaft hier ungeniert hingeben, erinnert an eine Sekte, an eine streng geführte und ebenso hierarchisch aufgebaute Glaubensgemeinschaft.

Stronach ist bereit zu dienen: Er will der erste Diener des Landes sein. Die anderen wollen ihm folgen. Klar, dass alles auf seine Person zugespitzt ist. Wegen eines Herrn Lugar, einer Frau Schenk oder eines Herrn Markowitz würde man die Liste nicht wählen. Fränk hingegen hat so etwas wie Charisma, er hat Unterhaltungswert, er hat eine beeindruckende Lebensgeschichte, er hat den Willen, noch einmal etwas auf die Beine zu stellen, und er hat das Geld dazu.

Und er hat Werte. Die richtigen nämlich. Noch sind diese flexibel und verhandelbar, da sucht sich jeder raus, was ihm passt, notfalls tritt er dann mit einer eigenen Liste in Franks Namen an. Das sind kleine Fehler in der Regie.

Klar ist aber: Es kann so nicht weitergehen. Das steht so im Parteiprogramm, und das verstehen die Bürger, deren Vertrauen zu Werner Faymann und Michael Spindelegger schwindet und die eine andere Art von Politik wollen, eine, die sie nachvollziehen können, eine, die einen Bezug zu ihrer Lebensrealität herstellt. Da erscheint Stronach glaubwürdiger als das Establishment, da erscheint er auch konstruktiver als FPÖ-Chef Strache, bei dem man den Eindruck hat, der will nur draufhauen und kaputtmachen.

Wirft man einen Blick in Stronachs Parteiprogramm, so entdeckt man dort ein paar Sonderlichkeiten wie den eigenen Österreich-Euro, sonst aber die gleichen Plattitüden und Leerformeln, wie sie auch die anderen vor sich hertragen: Wohlstand, eine schlanke Verwaltung, eine gesunde Wirtschaft. Und selbstverständlich Wahrheit, Transparenz und Fairness. Tatsächlich wird einer wie Stronach nicht mit Inhalten und Programmen punkten, letztendlich ist es egal, was da drinsteht. Seine Botschaft: So kann es nicht weitergehen. Das verstehen die Leute, das können sie nachvollziehen. Aber das ist nicht Stronachs Verdienst, das ist das Verdienst von Faymann und Spindelegger. (Michael Völker, DER STANDARD, 10.4.2013)