Bild nicht mehr verfügbar.

Gedenken an die Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk vor der Präsidentenpalast in Warschau.

Foto: EPA/RAFAL GUZ POLAND OUT

Warschau/Smolensk - In Polen haben am Mittwoch Trauerkundgebungen für die Opfer des Flugzeugabsturzes im russischen Smolensk vor genau drei Jahren begonnen. Bei dem Absturz einer polnischen Regierungsmaschine waren 96 Menschen ums Leben gekommen, darunter der damalige Staatspräsident Lech Kaczynski. Die Veranstaltungen werden sich bis in die Abendstunden ziehen. Die Kundgebungen der rechtskonservativen Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS), aus der Lech Kaczynski stammte, werden ausdrücklich als Konkurrenz zur Trauerfeier der Regierung gestaltet.

Großer Trauerzug oder intime Feierlichkeit

Während die PiS im Tagesverlauf 100.000 Menschen in der Warschauer Innenstadt erwartet, setzt die Regierung betont auf eine persönliche Trauer. "Jeder Pole sollte, egal, wo er sich befindet, heute ganz selbstständig der Opfer der Katastrophe gedenken", erklärte Ministerpräsident Donald Tusk. Er legte am frühen Morgen einen Kranz am Denkmal für die Verstorbenen auf dem Warschauer Powazki-Friedhof nieder, um dann zu einem offiziellen Besuch nach Nigeria aufzubrechen. Tusk kritisierte den "Tumult", den die PiS veranstalte. Die zentrale Veranstaltung der Regierung wird um 13.00 Uhr mit einer Messe in der Kirche der göttlichen Vorsehung in Warschau beginnen, dabei wird eine erste Gedenktafel für ein geplantes Denkmal zum Flugzeugabsturz geweiht.

Messe um 8 Uhr

Die PiS, die den Veranstaltungen der Regierung wie auch des Parlaments demonstrativ fernbleibt, begann den Tag mit einer Messe um 8.00 Uhr. PiS-Anhänger versammelten sich danach vor dem Präsidentenpalast in der Warschauer Innenstadt, wo nach dem 10. April 2010 tagelang hunderttausende Polen trauerten. Der PiS-Vorsitzende und Zwillingsbruder des verstorbenen Präsidenten, Jaroslaw Kaczynski, legte dort einen Kranz vor einem Foto von Lech Kaczynski und dessen Frau Jadwiga nieder, die ebenfalls bei dem Flugzeugabsturz starb. Für später war ein Gedenkmarsch durch die Innenstadt geplant, bei dem gegen die Regierung gerichtete Plakate und Sprechchöre erwartet wurden. Die der PiS nahestehende Zeitung "Gazeta Polska" wollte gegen Abend ein Protest-Zeltlager vor der Kanzlei des Ministerpräsidenten aufschlagen.

Attentat oder Unglück

Der Streit zwischen PiS und Regierung betrifft die Ursachen des Unglücks. Nach Ansicht der Oppositionspartei spricht viel dafür, dass es sich bei dem Absturz um ein Attentat von Russland auf Lech Kaczynski gehandelt habe. Die Regierung habe deshalb einen großen Fehler gemacht, die Ermittlungen in Russland den russischen Behörden zu überlassen. Die Regierung geht dagegen klar vor einem Unglück aus, an dem die Piloten die Hauptschuld trügen. Diese hatten sich trotz miserabler Sichtverhältnisse für einen Landeversuch entschieden.

Auch die Opferfamilien sind durch diese Frage gespalten, die beiden Lager haben deshalb kaum noch Kontakt miteinander. Marta Kaczynska, die hinterbliebene Tochter des Präsidentenehepaares, sagte am Mittwoch in Krakau: "Ich will die Wahrheit, ich will wissen, unter welchen Umständen meine Eltern gestorben sind." Izabella Sariusz-Skapska, die in Smolensk ihren Vater verlor, kritisiert die Spekulationen über einen Anschlag: "Das ist reine Politik, und die Politik ist nicht gerade das sauberste Spiel", meinte sie im Vorfeld gegenüber der Zeitung "Gazeta Wyborcza". (APA, 10.4.2013)