Paris - Der reichste Mann Frankreichs und Chef des Luxuskonzerns LVMH, Bernard Arnault, will nun doch nicht belgischer Staatsbürger werden. "Ich ziehe meinen Antrag auf die belgische Staatsbürgerschaft zurück", sagte der 64-jährige Multimilliardär in einem Gespräch mit der Zeitung "Le Monde". Mit Blick auf den Proteststurm, den sein Vorhaben in Frankreich ausgelöst hatte, sagte Arnault: "Ich habe die Wirkung unterschätzt, die dieser Vorgang haben würde, von dem mir allerdings zugesichert worden war, dass er in der größten Diskretion ablaufen würde."

Platz zehn auf Forbes-Liste

Arnault, der auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt gemeinsam mit seiner Familie auf Platz zehn geführt wird, hatte in Frankreich im vergangenen Jahr empörte Reaktionen ausgelöst, als bekannt wurde, dass er zusätzlich zur französischen die belgische Staatsbürgerschaft beantragen wollte. Von vielen Franzosen wurde das als eine Reaktion auf die sozialistischen Pläne zur Besteuerung von Reichen interpretiert. Der langjährige Vertraute des abgewählten konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy versicherte daraufhin, dass er weiter in Frankreich Steuern zahlen werde.

Seine Beteuerungen, weiter in Frankreich leben und in seiner Heimat Steuern zahlen zu wollen, seien "vergebens" gewesen, sagte Arnault nun "Le Monde". "Die Botschaft ist nicht angekommen." Er wolle daher "jedes Missverständnis" ausräumen und ziehe den Antrag auf die belgische Staatsbürgerschaft zurück. Als Gründe für seinen Versuch, Belgier zu werden, nannte Arnault vor allem vermögensrechtliche Motive. Er wollte verhindern, dass seine Kinder im Rahmen eines Erbstreits sein Vermögen zersplittern, sagte der Milliardär, dessen Vermögen von "Forbes" auf 19 Milliarden Dollar (22,1 Milliarden Euro) geschätzt wird.

Hollandes Politik "in richtige Richtung"

Der Chef des weltweit größten Luxuskonzerns betonte in dem Interveiw weiter, dass die französische Regierung von Präsident Francois Hollande zur Sanierung und Ankurbelung der Wirtschaft "in die richtige Richtung" gehe. Es sei auch notwendig, "gegen die Steuerparadiese anzukämpfen", meinte Arnault in Bezug auf den jüngsten Stuerskandal, der von einem geheimen Auslandskonto des Ex-Haushaltsministers Jerome Cahuzac ausgegangen war. (APA, 10.4.2013)