Bild nicht mehr verfügbar.

Goalie Neuer trägt Alaba. Beide tragen zur Stärke der Bayern bei.

Foto: EPA/DANIEL DAL ZENNARO

Wien - Ganz gleich, welches Händchen der ehemalige niederländische Torjäger Ruud van Nistelrooy heute bei der Halbfinalauslosung in Nyon als Assistent von Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino beweist - der Top-Favorit auf den Gewinn der Champions League heißt FC Bayern München. Der deutsche Rekordmeister hinterließ im Viertelfinale von den vier Mannschaften, die nun die Vorschlussrunde (Hinspiele: 23./24. April; Rückspiele: 30. April / 1. Mai) schmücken, den besten Eindruck. Nach dem zweiten, hochverdienten 2:0-Erfolg über Italiens Rekordchampion Juventus wünschte sich Bayerns Präsident Uli Hoeneß noch in Turin Ligakonkurrent Borussia Dortmund als Halbfinalgegner und lächelte dabei maliziös. " Meinen Sie, dass Dortmund besser ist als Real oder Barcelona? Ich glaube nicht", rief der 61-Jährige auf Nachfrage eines Journalisten.

Vorlage für Klopp

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach nach Vernehmen dieser Kunde aus, was Hoeneß neben der wohl tatsächlich objektiv besseren Chancen am deutsch-deutschen Duell besonders reizen dürfte: " Die vergangenen Jahre haben ja gezeigt, dass wir gegen die Münchner durchaus das eine oder andere Spiel gewinnen können." Hoeneß möge sich also nicht so sicher fühlen. "Ich bin immer sehr dankbar, wenn man mir eine Vorlage bietet", ergänzte Jürgen Klopp. "Das war zuletzt nicht der Fall, da war alles ruhig."

Der Trainer spielte damit auf den 11. April 2012 an. Damals hatte Dortmund mit dem vierten Sieg über die Bayern en suite (1:0) den vorentscheidenden Schritt zum Meistertitel getan. Einen Monat später fertigten die Borussen die Münchner im Pokalfinale zu Berlin gar mit 5:2 ab und lieferten den Erzrivalen Hohn und Spott aus. Als dann auch noch das Finale der Champions League im Elferschießen gegen Chelsea verlorenging, war Hoeneß restlos bedient.

Den im Dauerduell mit den Bayern virtuos auf dem Imageklavier spielenden Dortmundern den Finaleinzug zu verwehren, dazu noch möglichst klar, wäre ihm daher jetzt ein Fest. Und die Verpflichtung des Polens Robert Lewandowski, der jüngst die Vertragsverlängerung in Dortmund verweigerte, noch eine schöne Draufgabe.

"Klub von einem anderen Planeten"

Für Antonio Conte, den Coach von Juventus Turin, steht fest, dass die Bayern "Europa in Zukunft dominieren" werden. Die Zeitung La Repubblica nannte die Münchner einen "Klub von einem anderen Planeten". Derartige Hymnen wurden in den vergangenen Jahren nur auf den FC Barcelona gesungen. Allerdings offenbarten die Katalanen vor allem im Heimspiel gegen Paris St. Germain, in dem durch ein 1:1 mit Müh und Not der sechste Einzug ins Halbfinale en suite fixiert wurde, ihre fast schon verhängnisvolle Abhängigkeit von Lionel Messis Geniestreichen. Der beim 2:2 im Hinspiel am Oberschenkel verletzte Weltfußballer humpelte nach gut einer Stunde aufs Feld, legte den Ausgleich zum Endstand für Pedro auf und wurde danach vom Publikum im Camp Nou und den Medien euphorisch als Retter gefeiert. "Der beste Fußballer der Welt ist Messi, der zweitbeste ein hinkender Messi", erkannte Radio Marca.

"Selbst wenn er zur Hälfte lahm ist, seine Präsenz auf dem Platz genügt, um uns und unser Spiel zu beeinflussen", sagte Mannschaftskollege Gerard Piqué. Vor Messis Auftritt kreisten Barcelonas Spieler im Stile der Kollegen von der Handballabteilung um den Strafraum der Franzosen, kamen auf 63 Prozent Ballbesitz, aber mangels Ideen kaum zu Chancen.

Duell Spanien vs. Deutschland

"Es fühlt sich an wie ein Duell der spanischen mit der deutschen Liga", sprach Barcelonas Sportdirektor Andoni Zubizarreta die Tatsache an, dass erstmals je zwei Teams aus zwei Ländern das Halbfinale der Champions League erreichten. Wunschgegner nannte der ehemalige spanische Teamtorhüter keinen, aber weder die Bayern noch Ligarivale Real Madrid, gegen den in bisher sechs Saison-Clasicos nur ein Sieg (Hinspiel Supercup) gelang, es aber drei Niederlagen setzte, dürften ihm besonders genehm sein. Bleibt also Dortmund. Die Borussen würden sich freuen. Geschäftsführer Watzke: "Für mich liegt der Reiz des Europapokals auch darin, internationale Partien zu spielen." (sid, lü, DER STANDARD, 12.4.2013)