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Weitere Möglichkeiten für Weiterbildung.

Foto: AP/Schulz

Mit der Bildungsteilzeit gibt es ab Juli ein neues Weiterbildungsinstrument für Arbeitnehmer. Bei der Bildungsteilzeit kann für maximal zwei Jahre die Arbeitszeit reduziert werden, um an einem Weiterbildungsprogramm teilzunehmen. Mit dem sogenannten Bildungsteilzeitentgelt, das über das Arbeitsmarktservice abgewickelt wird, soll ein Teil des Verdienstentgangs abgegolten werden (siehe Fragen und Antworten unten).

Damit soll besonders Personen mit geringem Einkommen ein Anreiz zur Höherqualifizierung geboten werden. Denn die Bildungskarenz, bei der das Weiterbildungsgeld in Höhe des Arbeitslosenentgelts ausbezahlt wurde, stellte für viele ein finanzielles Hindernis dar, heißt es seitens der Arbeiterkammer. Gemeinsam mit dem beschlossenen Fachkräftestipendium, bei dem es finanzielle Unterstützung für Geringqualifizierte gibt, werden die Kosten auf 24 bis 26 Millionen Euro geschätzt.

Anschluss bleibt gewahrt

Sowohl Arbeiterkammer (AK) als auch Wirtschaftskammer (WKO) begrüßen die Bildungsteilzeit. Der Vorteil liegt für beide Kammern vor allem darin, dass die Einbindung in den Arbeitsprozess auch während der Weiterbildung vorhanden ist und so der Bildungsteilzeitnehmer nicht vollständig den Anschluss verliert, wie das beispielsweise bei einer einjährigen Bildungskarenz der Fall sei. Daher sind auch beide Kammern überzeugt, dass diese Möglichkeit gut angenommen werde.

"Schon vor der Beschlussfassung haben sich viele Unternehmer bei uns gemeldet und wollten wissen, wann es diese Möglichkeit endlich gibt", sagt Gernot Mitter, Arbeitsmarktexperte der AK. Diese Anfrage habe es auch bei der Wirtschaftskammer gegeben, bestätigt Rolf Gleißner, Experte für Sozialpolitik (WKO), und merkt an, dass es selten so viel Übereinstimmung der Interessenvertretungen gab.

Kollektive Mitbestimmungsmöglichkeit fehlt

Kritik gibt es aber dennoch, und hier unterscheiden sich die beiden Interessenvertreter. Die Arbeiterkammer vermisst das Recht der Arbeitnehmer auf Bildungsteilzeit und die Mitbestimmungsmöglichkeit durch Betriebsrat oder Gewerkschaft. "Schade, dass der Betriebsrat nicht die Möglichkeit hat, aus Hilfsarbeitern Facharbeiter zu machen", sagt Mitter. Denn auch die Bildungsteilzeit könne, so wie schon Bildungskarenz, als Alternative zur Kurzzeit eingesetzt werden. Und für dieses Instrument brauche es auch eine kollektive Mitbestimmungsmöglichkeit, ergänzt Mitter.

Die Wirtschaftskammer hätte sich höhere Anforderungen sowohl beim Stundenausmaß der Weiterbildung als auch beim Erfolgsnachweis gewünscht, sagt Gleißner. Dem fehlenden Recht auf Bildungsteilzeit hält er entgegen, dass es auch auf Bildungskarenz kein Recht gab, und dennoch gebe es einen regelrechten Boom.

Mindestzeit

Die Gefahr, dass dieses Instrument die betriebliche Weiterbildung ersetzen könnte, sieht Gleißner nicht. "Die Mindestzeit von vier Monaten mit zehn Stunden Weiterbildung in der Woche ist ja kein Bagatellanspruch", sagt er. Auch für die Arbeiterkammer ist die Mindestzeit von vier Monaten ein adäquates Mittel, um Missbrauch zu verhindern. Denn damit können beispielsweise Handelsunternehmen im umsatzschwachen Monat August ihre Personalkosten nicht senken. "Außerdem muss der Regionalbeirat des AMS zustimmen, wenn mehr als fünf Mitarbeiter in einem Betrieb in Bildungsteilzeit gehen möchten", sagt Mitter.

Wirtschafts- und Arbeiterkammer sind sich auch wieder einig, wenn es um die Erwartungen an die Höhe der Bildungsteilzeitnehmer geht. Denn Bildungsteilzeit sei sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer attraktiver als Bildungskarenz. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 13./14.4.2013)