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Hassan Rowhani tritt bei den Präsidentenwahlen an.

Foto: APA/EPA/Taherkenareh

Fast täglich melden sich nun – vor allem aus konservativen Ecken – im Iran neue Anwärter auf das Präsidentenamt. Obwohl die Anmeldefrist für die Präsidentschaftswahlen im Juni erst am 5. Mai abläuft, ist die Kandidatenliste bereits länger als vor vier Jahren. Als neuester Anwärter hat nun Hassan Rowhani, der ehemalige iranische Chefunterhändler bei den Atomverhandlungen während der Regierungszeit von Präsident Mohammed Khatami, aufgezeigt. Der pragmatische Rowhani gilt besonders im Westen als starker Kandidat.

Während die Reformer in ihre endlosen Diskussionen über das Für und Wider der Kandidatur Khatamis verwickelt sind, haben aus dem Lager des jetzigen Regierungschefs Mahmud Ahmadi-Nejad bis jetzt bereits drei Minister ihr Interesse kundgetan, sich zu bewerben. Einer von ihnen ist Ali Nikzad (50), Ahmadi-Nejads Verkehrs- und Aufbauminister, der seit Jahren ein Lieblingsprojekt des Präsidenten leitet – zu dem er sich von Hugo Chávez inspirieren hat lassen, wie es heißt.

Das sogenannte "Mehr"-Aufbauprojekt soll günstigen Wohnraum für sozial Schwache schaffen. Trotz der Investition von Milliarden ist dieses Projekt umstritten: erstens, weil die erschlossenen Siedlungsgründe im Randgebiet größerer Städte sehr ungünstig liegen, und zweitens, weil inzwischen die Baukosten so gestiegen sind, dass viele Wohnungsanwärter Schwierigkeiten haben, ihre Raten zu bezahlen.

Nikzad ist neben Ahmadi-Nejads Bürochef und angeheiratetem Verwandten Esfandiar Rahim-Mashaie einer der beständigsten Begleiter des Regierungschefs. Sollte Rahim-Mashaie, wie eigentlich erwartet, vom Wächterrat als Kandidat abgelehnt werden, ist Nikzad der beste Ersatzmann, den Ahmadi-Nejad auf die Bühne bringen kann. Anders als Rahim-Mashaie, der wegen seiner Ideen als Abweichler gilt, hat Nikzad kein schlechtes Verhältnis zu konservativen Kreisen.

Seine Kandidatur könnte sogar die Kon servativen zuungunsten der Dreierkoalition spalten, die aus dem früheren langjährigen Außenminister Ali Akbar Velayati, dem Oberbürgermeister von Teheran, Mohammad Bagher Ghalibaf, und dem früheren Parlamentspräsidenten Gholam Ali Haddad-Adel besteht.

Allerdings gibt es Gerüchte, die von einem Kompromiss zwischen Regierungskreisen und dem Wächterrat sprechen. Dabei soll angeblich ein potenzieller Kandidat der Reformer zugelassen werden dafür, dass auch der Favorit des Regierungschefs antreten darf. Am 18. April, bei einer Großveranstaltung zum Jahrestag der iranischen Armee, will Ahmadi-Nejad seinen persönlichen Kandidaten vorschlagen. Wenn seine Bemühungen hinter den Kulissen erfolgreich waren, wird sein Vorschlag Rahim-Mashaie heißen. (N. N.* aus Teheran /DER STANDARD, 15.4.2013)