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Das demokratische Recht auf Demonstration gilt natürlich auch für die Anhänger von Rapid.

Foto: APA/Neubauer

Wien - Sollte in Peter Schöttel tatsächlich eine Sau stecken, ist sie nach wie vor in ihm gefangen. Rapids 2:0 gegen Wiener Neustadt bewirkte lediglich das Ende einer neun Partien dauernde Serie der Sieglosigkeit. Der Trainer freute sich am Samstagabend innerlich für die gebeutelte Mannschaft, bescheidene Erleichterung ersetzte ausufernden Jubel. "Ich kann nicht die Sau rauslassen, dazu gibt es keinen Grund. Nur der Rucksack ist halt weg."

Sture Sau

Die Sau bleibt stur. Ein Weiterkommen am Dienstag im Cup-Viertelfinale gegen Pasching wäre ihr auch viel zu wenig. Ein Klub aus der Regionalliga kostet sie nicht einmal einen Grunzer. Sollte am 21. April das Wiener Derby unbeschadet überstanden werden, könnte die Sau unter Umständen mit sich reden lassen und ausbrechen. "Aber an die Austria denke ich wirklich noch nicht", sagte Schöttel.

Die Spieler mussten sich an Siegerinterviews erst wieder gewöhnen. Vor 125 Tagen konnten sie zuletzt "Hurra" sagen. Sie hatten massive Schwierigkeiten, die zum guten Ergebnis passende Mimik (zum Beispiel Grinsen) aufzusetzen. Vielleicht lag es an der katastrophalen ersten Halbzeit, in der ist Wiener Neustadt ziemlich überlegen gewesen ist. Oder an den Fanprotesten vor dem und nach der Pause im Hanappi-Stadion. Deni Alar, Schütze des zweiten Treffers: "Wir sind nicht heraußen aus der Kiste. Es war nur ein kleiner Schritt." Verteidiger Mario Sonnleitner: "Endlich. Klar leiden wir unter der negativen Stimmung."

Die Ultras hatten zum Protestmarsch aufgerufen, rund 3000 Fans folgten. Er führte vom Bahnhof Hütteldorf zur Südtribüne, das sind nur ein paar Meter, da kann man keine Abzweigung verfehlen. Sie hatten Transparente gebastelt, skandierten recht diszipliniert "Vorstand raus", "Schöttel raus", "Alle schuldig, alle raus", "Wir sind Rapid, und wer seid ihr" oder "Mit euch am Ruder gehen wir unter". Sportdirektor Helmut Schulte hat es binnen weniger Wochen zum Feindbild geschafft. "Wir tragen Rapid im Herzen, das ist bekannt, Schulte zurück an die Waterkant." Der Deutsche hatte lediglich um Unterstützung für die Mannschaft gebeten, aber das wurde missinterpretiert. Schulte ging nicht näher auf die Rufe ein. "Rapid ist eine spannende und interessante Geschichte. Ich kümmere mich um den Sport." Manager Werner Kuhn war von den Protesten schon " sehr betroffen". Die Verantwortlichen hatten jahrelang gepredigt, dass der Klub den Fans gehöre. Blöd gelaufen, die glauben das wirklich.

Blöd gelaufen

Die Lage bleibt angespannt, die Stimmung eigenartig. Ausgerechnet der 33-jährige Markus Katzer, dessen Vertrag im Sommer nicht verlängert wird, hat mit dem 1:0 in der 49. Minute Ärgeres verhindert. "Wir haben die Schnauze voll", hallte es als Reaktion von der Westtribüne, die Sehnsucht nach einer weiteren Blamage ward nicht gestillt. Verteidiger Katzer erzielte sein 30. Ligator, übrigens mit der Schulter . "Von dieser Zahl habe ich als Kind geträumt, aber das ist momentan ziemlich wurscht." Er sei Profi genug, um mit schwierigen Situationen fertig zu werden. "Bin ich gut, lande ich bei einem guten Verein." Schöttel lobte Katzers Charakter.

Rapid macht weiter. Trotzig bis unbeirrt, jedenfalls sparsam, mit lauten oder leisen Fans. Präsident Rudolf Edlinger wird im Herbst nicht mehr kandidieren, zuvor möchte er die Stadionfrage - Sanierung oder Neubau - lösen. Ob Schöttel jemals die Sau wird rauslassen können, hängt wohl weder von ihm noch von ihr ab. (Christian Hackl, DER STANDARD 15.04.2013)