Madrid/Vatikanstadt - Die katholische Kirche in Spanien hat die konservative Regierung aufgefordert, die von der sozialistischen Vorgängerregierung 2005 legalisierte Ehe für gleichgeschlechtliche Paare sowie die liberalisierten Abtreibungsgesetze "dringend" wieder abzuschaffen. Während Ministerpräsident Mariano Rajoy am Montag als erster europäischer Regierungschef im Vatikan von Papst Franziskus empfangen wurde, äußerten sich die spanischen Bischöfe kritisch zum Reformwillen seiner Regierung.

"Schutz der Ehe" - "Recht auf Leben"

Zum Auftakt der Bischofsvollversammlung am Montag in Madrid zeigte sich der Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz, Kardinal Antonio Maria Rouco, verwundert darüber, dass die konservative Regierung entgegen aller Wahlversprechen und nach über einem Jahr an der Macht noch immer nicht die "kirchenfeindlichen" Gesetze der SozialistInnen rückgängig gemacht habe.

"Es ist nicht leicht zu verstehen, warum bisher nicht einmal eine Gesetzesvorlage existiert, welche das Recht auf Leben schützt", sagte Kardinal Rouco mit Blick auf die von den SozialistInnen liberalisierten Abtreibungsgesetze von 2010. Auf der anderen Seite wolle die Kirche niemandem sein Recht nehmen, dennoch müsse man auf den Schutz der Ehe zwischen Mann und Frau als gesellschaftlichen Pfeiler bestehen und dränge auf eine möglichst schnelle Reform, so der Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz.

Zugang zu Abtreibung für Jugendliche

Neben der Legalisierung homosexueller Ehen mit Kinderadoptionsrecht löste vor allem die vor drei Jahren eingeführte Liberalisierung der Abtreibungsgesetze großen Protest innerhalb der Kirche aus. Der damalige sozialistische Premier Zapatero ersetzte die seit 1985 geltende restriktive Indikationsregelung durch eine Fristenlösung. Seitdem sind in Spanien Abtreibungen bis zur 14. Schwangerschaftswoche ohne Angabe von Gründen erlaubt.

Für besondere Aufregung sorgt bis heute noch die neue Regelung, nach der minderjährige Mädchen ab 16 Jahren ohne Einwilligung ihrer Eltern abtreiben dürfen. Als Oppositionschef reichte Rajoy damals eine Beschwerde vor dem Verfassungsgericht ein. Seit seiner Übernahme der Regierungsgeschäfte im Dezember 2012 ist es jedoch nicht zu den angekündigten Reformen gekommen. (APA/red, dieStandard.at, 16.4.2013)