Wien - Das Gewaltverbrechen, dem am 8. November 2011 eine 85-jährige Frau in der Blumauergasse in Wien-Leopoldstadt zum Opfer fiel, dürfte geklärt sein. Eine DNA-Spur hat am vergangenen Wochenende zur Festnahme der ehemaligen Putzfrau der betagten Pensionistin geführt. Über die 40-jährige wurde am Dienstagnachmittag vom Straflandesgericht wegen Mordverdachts die U-Haft verhängt, gab Gerichtssprecherin Christina Salzborn bekannt.

Die Putzfrau soll auf das Vermögen ihrer Auftraggeberin aus gewesen sein. Sie dürfte im Zug ihrer Tätigkeit im Haushalt der 85-Jährigen mitbekommen haben, dass diese einen hohen Bargeldbetrag - angeblich mehrere 100.000 Euro - zu Hause aufbewahrte.

Polizei fand Vermögen

Die betagte Frau soll in ihrem Wohnzimmer geschlagen, mit Krücken verprügelt und mit einem Messer misshandelt worden sein, um den Aufbewahrungsort des Vermögens preiszugeben - vergeblich. Die Kriminalisten fanden unter der Wäsche in einem Bettkasten der Frau 700.000 Euro.

Letztlich hatte ein Messerstich in den Hals den Tod der 85-Jährigen bewirkt. Die Ermittler gingen von Anfang an davon aus, dass sie von keinem Unbekannten attackiert worden war. Die als vorsichtig beschriebene 85-Jährige, die kaum Besucher empfing, hätte keinen Fremden in ihre Wohnung gelassen. Da es an der Wohnungstür keine Einbruchspuren gab, war der Polizei klar, dass die Frau den Täter oder die Täterin gekannt haben musste.

Erste Stellungnahme vor Haftrichter

Die Putzfrau zählte zu Beginn nicht zum Kreis der Verdächtigen. Am Tatort konnten zunächst keine DNA-Spuren gesichert werden, die sich der 40-Jährigen zuordnen ließ. Fast eineinhalb Jahre später klickten doch noch die Handschellen: Bei der neuerlichen Untersuchung eines in der Wohnung sichergestellten Gegenstands fanden sich an einer Stelle, die man vorerst nicht begutachtet hatte, genetische Fingerabdrücke. Ein DNA-Gutachten stellte fest, dass diese mit der für ein Strafverfahren ausreichenden Wahrscheinlichkeit mit denen der 40-Jährigen übereinstimmte.

Die Putzfrau hatte bei den polizeilichen Einvernahmen von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht und sich zu den Vorwürfen nicht geäußert. Gegenüber dem Haftrichter nahm sie erstmals Stellung. Sie dürfte sich dabei zumindest teilweise geständig gezeigt haben - gegen die Verhängung der U-Haft legte die 40-Jährige keine Beschwerde ein. (APA/red, derStandard.at, 16.4.2013)