Wien - Österreich ist kein besonders "generationengerechtes" Land, Politik wird auf Kosten der Jungen gemacht. Zu diesem Schluss kommt eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, die einen Vergleich der OECD-Staaten anstellte. Österreich kommt dabei nur auf Platz 20 von 29, hinter Staaten wie Deutschland oder Großbritannien und in etwa gleichauf mit den Niederlanden oder Frankreich. Schlusslicht im Ranking wurden die USA, Spitzenreiter ist Estland. Die Studie empfiehlt unter anderem, in die Bildung von Kindern und Jugendlichen verstärkt zu investieren und stellt auch ein "Familienwahlrecht" zur Diskussion.

Für die Berechnung dieses so genannten "Intergenerational Justice Index" (IJI) wurden neue Ansätze geschaffen: So zog der Studienautor Pieter Vanhuysse nicht die generelle Pro-Kopf-Verschuldung der Staaten hinzu, sondern berechnete die Staatsverschuldung pro Kind/Jugendlicher. Weiters verwendete er den "ökologischen Fußabdruck" der einzelnen Gesellschaften als Messgröße, da dieser ja auf nachfolgende Generationen nachwirkt. Ein weiterer Faktor ist das Verhältnis Kinder-Armut versus Altersarmut. Und schließlich nahm er auch Verteilung sozialstaatlicher Ausgaben auf Jung und Alt unter die Lupe.

Starkes Ungleichgewicht in Österreich

In letzterer Kategorie landete Österreich recht weit hinten (Platz 21) - sprich: Die Studie ortete ein starkes Ungleichgewicht und Österreich gibt deutlich mehr für ältere Menschen als für Junge aus. Das vermag nicht zuletzt angesichts steigender Pensionskosten auch nicht wirklich zu verwundern. Gesundheitsausgaben wurden von dieser Berechnung übrigens ausgenommen, da sie äußerst schwierig den Altersgruppen zuzuordnen seien. Österreichische Kinder sind im OECD-Vergleich auch stark schuldenbelastet - bei der Staatsverschuldung pro Kind wurde Platz 20 ermittelt.

Sehr gut (Platz sechs) schneidet Österreich dagegen bei der Kinderarmut ab. Und was den "ökologischen Fußabdruck" betrifft, stellt die Studie den OECD-Staaten generell kein besonders gutes Zeugnis aus: Alle Länder seien "im globalen Maßstab nicht generationengerecht".

Familienwahlrecht empfohlen

Um mehr Generationengerechtigkeit zu erreichen, wird den OECD-Ländern empfohlen, gezielt in "qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung" zu investieren und ihren "Ausgaben- und Investitionsverhalten" eine Doppelstrategie zu verfolgen: Nämlich "intergenerationell" wirksame Steuern einzuheben - etwa umweltbezogene Abgaben - und diese dann auch wieder in ein entsprechendes "Handlungsfeld" zu investieren (etwa Ausbildung oder Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie).

Wohl der kontroversiellste Vorschlag ist die Einführung eines "Familienwahlrechts" - nach Vorstellung des Studienautors könnten die Eltern pro Kind eine halbe Wahlstimme zusätzlich erhalten. Dieses Modell sei als "Denkanstoß zu verstehen" hieß es dazu in der Zusammenfassung der Bertelsmann-Stiftung, wo man in dem Vorschlag "zweifellos den größten Diskussionsstoff" sieht. (APA, 16.4.2013)