Zagreb - Kroatiens Premier Zoran Milanovic gilt als der Wahlverlierer der ersten EU-Wahl in Kroatien, die am Sonntag mit knapp 21 Prozent eine der niedrigsten Wahlbeteiligungen aufwies. Den Walsieg der weit rechts stehenden Kandidatin Ruza Tomasic, Chefin der Rechtspartei (HSP AS), die mit Serben- und EU-feindlichen Aussagen auf sich aufmerksam machte, wollte er jedoch nicht hinnehmen: "Ruza Tomasic ist schlimmer als eine Naturkatastrophe, ein gesellschaftliches Übel", sagte Milanovic im Fernsehen. Er werde gegen Botschaften wie die ihren mit allen politischen Mitteln vorgehen, so der Sozialdemokrat.

"Ich habe vor der Kampagne gesagt, dass ich gegen nationalistische, ausländerfeindliche, homophobe, chauvinistische Ausfälle auftreten werde, die im Wahlkampf gezielt platziert wurden", so Milanovic. Von Tomasic halte er noch immer "das Allerschlimmste".

Die sozialdemokratische SDP des Premier hatte bei den Wahlen mit fünf EU-Abgeordneten die selbe Zahl an Mandaten wie die Oppositionsliste der HDZ, die mit Tomasics HSP AS angetreten war, errungen. Tomasic sicherte sich auf der HDZ-Liste einen Sitz. Verluste sähen ander aus, erklärte Milanovic gegenüber dem privaten Fernsehsender Nova TV: "Selbst wenn wir verlieren, haben wir die gleiche Anzahl der Mandate wie die Konkurrenz."

Ruza Tomasic nahm die Kritik des Premiers am Dienstag gelassen hin und sagte, sie sei nicht beleidigt. Medien hatten die 55-Jährige bereits als neue "Ikone der Rechten" ausgerufen. Tomasic, die in bescheidenen Verhältnissen in Slawonien aufgewachsen war und in jungen Jahren nach Kanada auswanderte, wurde Polizistin. Zu Beginn der 1990er Jahre war sie während eines Besuchs von Kroatiens Ex-Präsident Franjo Tudjman in Kanada entdeckt und nach Kroatien geholt worden, wo sie kurze Zeit für die Sicherheit des Präsidenten zuständig war.

Erst Ende der 1990er Jahre kam sie mit ihrer Familie zurück nach Kroatien. Bereits in Kanada war sie Mitglied der Rechtspartei geworden, nach ihrer Rückkehr stieg sie voll in die Politik ein. 2009 gründete sie ihre Partei HSP AS und gewann bei den Parlamentswahlen 2011 einen Sitz im Sabor. (APA, 16.4.2013)