Wien - Auch die schönste Reise hat einmal ein Ende. Aber es wäre nicht das Klangforum Wien, würde es am Schluss seiner Abo-Reihe im Konzerthaus nicht noch einmal für einen Höhepunkt sorgen. Und so weitete es nach seiner Bestandsaufnahme über neue Musik aus Spanien, Österreich, Deutschland, Frankreich, Skandinavien und dem "Osten" den Blick über den Kontinent hinaus.

An einem Abend mit dem Titel Europa, global wurden vier Grenzgänger aus Japan, Jordanien, Kasachstan und Südkorea in den Fokus gerückt, die zurzeit in Europa leben, und die Frage gestellt: "Bedeutet das noch irgendetwas?"

Natürlich ist die Antwort ein klares Jein - war doch in den Stücken der Prozess der Aneignung westlicher Idiome zuweilen ebenso spürbar wie die Auseinandersetzung mit Hintergrund und Herkunft: Dai Fujikura setzt in ice ungewöhnliche Zupfinstrumente ein, die inmitten oszillierender Klangfelder den Hauch des Exotischen ausstrahlen; in den Linien von Saed Haddads On Love II trat eine Kantabilität hervor, die die Aura arabischer Gesänge heraufbeschwor.

Womöglich war es eine dramaturgische Überlegung, nach der Pause " assimiliertere" Positionen zu Wort kommen zu lassen. Stark europäisiert wirkte Jamilia Jazylbekovas le refus de l'enfermement IV; und dass sich die "Szenen aus einem Straßentheater" in Unsuk Chins Gougalon in einem Vorort von Seoul abspielten, wurde durch grotesken Lärm von Flaschen, Dosen und anderen Schlaginstrumenten überdeckt. Unter der Leitung von Peter Rundel spielte das Ensemble fulminant wie stets. (Daniel Ender, DER STANDARD, 18.4.2013)