Hamburg - Die dilatative Kardiomyopathie gehört zu den häufigsten Herzmuskelerkrankungen und ist in 20 bis 30 Prozent der Fälle familiär bedingt. Sie führt zu einer Vergrößerung der linken oder beider Herzkammern und zur Erweiterung des gesamten Herzens. Dabei bläht sich der Herzmuskel auf. Luftnot und eingeschränkte Leistungsfähigkeit sind die Folge, eine Heilung derzeit noch nicht möglich.

"In unserem Forschungsprojekt wollen wir aus Stammzellen von Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie künstliche Herzmuskelzellen herstellen und deren Funktion untersuchen", erläutert Thomas Eschenhagen, Direktor des Instituts für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UEK).

iPS-Zellen "umprogrammieren"

Zur Gewinnung der Herzmuskelzellen wollen die Wissenschaftler sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) verwenden. iPS-Zellen können sich, ähnlich wie embryonale Stammzellen, zu jedem Zelltyp entwickeln und sind noch auf keinen Gewebetyp festgelegt. Um iPS-Zellen zu gewinnen, ist lediglich eine kleine Hautprobe erforderlich. "Daraus werden Zellen isoliert, die dann zu Stammzellen 'umprogrammiert' werden können - aus denen sich Herzmuskelzellen und schließlich dreidimensionale künstliche Herzmuskeln entwickeln sollen", erläutert Eschenhagen die geplante Vorgehensweise. 

Die Funktion dieser künstlichen, patientenspezifischen Herzmuskeln soll im Labor in einer speziell entwickelten automatisierten Anlage mit der von gesunden Herzmuskeln verglichen werden. Gesucht wird dabei nach Unterschieden - etwa in Kraft und Rhythmus, aber auch in der Gewebestruktur der Zellen.

"Wir erhoffen uns von dem Forschungsvorhaben zweierlei: Erstens wollen wir mehr über die Erkrankung als solche lernen und können das erstmalig an menschlichen Herzmuskeln tun. Zweitens erhoffen wir uns, etwas über die Krankheitsausprägung der einzelnen Patienten zu lernen und langfristig Aussagen zur Prognose beziehungsweise zu geeigneten Therapieoptionen machen zu können", so Thomas Eschenhagen. (red, derStandard.at, 17.4.2013)