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Ein Kämpfer der syrischen Aufständischen posiert in einem Stützpunkt nahe Aleppo für die Kamera.

Foto: AP/Muheisen

Ausgerechnet im Wahlbezirk des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu, in der muslimisch-konservativen Provinz Konya, hat eine Antiterroreinheit der Polizei neun Männer festgenommen, die Jihadisten für den Bürgerkrieg in Syrien anwerben und auch Waffen dorthin schmuggeln sollen. Ein zehntes mutmaßliches Mitglied des Islamistenzirkels wurde Medienberichten zufolge in Istanbul festgenommen.

Die Gruppe soll angeblich ein halbes Jahr lang von den Sicherheitsbehörden beobachtet worden sein. Die in Konya erscheinende Zeitung Rasyonel meldete zu Wochenbeginn - ohne Angaben von Quellen -, dass seit Beginn des Aufstands gegen das Regime von Bashar al-Assad im Frühjahr 2011 allein aus Konya 200 Kämpfer nach Syrien geschickt worden seien. Von den meisten gebe es keine Nachricht mehr. Aus der Türkei seien bisher insgesamt 500 "Glaubenskrieger" in den Krieg gezogen, behauptete die Zeitung. Nach Konya, das in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg als Wirtschaftsmetropole erlebt hat, stammten die meisten dieser türkischen Jihadisten aus den - ebenfalls sehr konservativen - Provinzen Erzurum und Rize.

"Operation gegen den Islam"

"Wir sind festgenommen worden, weil wir den Koran lesen, weil wir Muslime sind und weil wir den Syrern helfen", soll einer der Männer in Konya einer anderen Lokalzeitung zufolge gerufen haben, als er von der Polizei abgeführt wurde. "Das ist kein Al-Kaida-Fall, das ist eine Operation gegen den Islam. Wacht auf!"

Angehörige der Jihadisten sollen sich bei den Behörden über die Rekruteure beklagt haben. Ein Abgeordneter der oppositionellen CHP aus Konya hat nun eine Anfrage an den türkischen Premier gestellt, in der er den Fall eines 27-Jährigen nennt, der in der zentralanatolischen Großstadt für den Kampf in Syrien angeworben wurde und später umkam.

Außenminister Davutoglu hat bisher Berichte über Waffenschmuggel und Training für Mitglieder der Freien Syrischen Armee oder auch von Jihadisten-Gruppen auf türkischen Boden als stets falsch zurückgewiesen.

Ende März hatten die Behörden bei einer Razzia in einem Dorf an der Grenze zu Syrien mehr als 5000 Gewehre sowie Munition in einem Lagerhaus entdeckt. Die griechische Polizei wiederum gab gegenüber der AP an, sie habe vergangene Woche einen in Belgien gemeldeten Syrer festgenommen, der auf einem Traktoranhänger Zielfernrohre für Gewehre und Raketenwerfer über die Grenze in die Türkei gefahren habe und dort von den Beamten zurückgeschickt wurde. In einer Rede in Istanbul distanzierte sich der zurückgetretene, aber weiter als Führer der Syrian National Coalition genannte Muaz al-Khatib von den Jihadisten: "Wir weisen jeden Gedanken aus dem Ausland zurück, von Leuten, die wir nicht kennen. Wir weisen die Ideen von Al-Kaida zurück." (Markus Bernath, DER STANDARD, 18.4.2013)