Rasterzeugnisse sollen sicherstellen, dass Turnus-Ärzte ihre Ausbildungsziele erreichen.

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Im Spitalsbetrieb werden sie "Spritzenferdln" genannt. Gemeint sind Turnusärzte, Ärzte die eine dreijährige Ausbildung an Lehrkrankenhäusern absolvieren, um nachher als Allgemeinmediziner zu praktizieren oder eine Facharztausbildung zu beginnen. Der Turnus ist seit langer Zeit umstritten. Turnus-Ärzte würden nicht wie eigentlich gedacht ausgebildet werden, sondern für administrative Tätigkeiten eingesetzt oder für Tätigkeiten, die auch das Pflegepersonal übernehmen könnte, kritisiert die Ärztekammer. Sie fordert seit Jahren eine Reform bzw. die Abschaffung des Turnus.

Nun ist die Reform in der Zielgeraden. Silvia Türk, Leiterin der Abteilung für Qualitätsmanagement im Gesundheitsministerium, spricht im Gespräch mit derStandard.at von einem "fixfertig abgestimmten Konzept". Es sei ein Rahmenkonzept, das mit dem Hauptverband der Sozialversicherungen, den Ländern, den Krankenanstaltenträgern, der Österreichischen Ärztekammer und dem Gesundheitsministerium koordiniert sei. Es fehlen nur bestimmte inhaltliche Details, die von den wissenschaftlichen Gesellschaften der Ärztekammer geklärt werden müssen. Erstmals wurden auch die Universitäten miteinbezogen, um Parallelitäten im Studium und in der Turnusausbildung zu vermeiden.

Neunmonatige Basisausbildung für alle

Der neue Turnus soll schon in den Universitäten ansetzen, wo alle medizinischen Universitäten ein klinisch-praktisches Jahr einführen, erklärt Türk. Nach der Promotion kommt eine neunmonatige Basisausbildung, die sich nach den fünfzehn häufigsten Krankheiten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) richtet. Erst danach kommt die Facharztausbildung oder die Ausbildung zum Allgemeinmediziner.

Die Turnus-Ausbildung ist ein österreichisches Spezifikum. In Deutschland kann beispielsweise die Facharztausbildung gleich nach Abschluss des Studiums begonnen werden, in Österreich ist das nur theoretisch möglich.

Rasterzeugnisse sollen Lerninhalte garantieren

Turnusärzte beklagen, dass sie ihre Arbeit mit Hilfstätigkeiten verbringen, die eigentliche Ausbildung, das Lernen am Krankenbett oder die Teilnahme an Visiten geraten dabei völlig in den Hintergrund. Dass Turnusärzte ihren Ausbildungszielen entsprechend eingesetzt werden, soll mit Rasterzeugnissen sichergestellt werden. Rasterzeugnisse sind Bestätigungen für den Turnusarzt nach seiner Zeit an einer bestimmten Abteilung. "Darin werden die Tätigkeiten, die erlernt werden müssen, genau definiert", sagt Türk. Sie sollen die Struktur schaffen, dass das Lehren auf den Stationen möglich ist.

Die Reform soll so schnell wie möglich in Kraft treten, meint Türk. Wann der genaue Zeitpunkt ist, ist noch offen. (Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 18.4.2013)