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Chris Hoy bei Olympia in London auf dem Weg zu Keirin-Gold.

Foto: AP/Christophe Ena

Bahnrad-Legende Sir Christopher Andrew Hoy hat am Donnerstag seine Karriere nach über einem Jahrzehnt auf internationalem Topniveau offiziell für beendet erklärt. Der Schotte, elfmaliger Weltmeister und mit sechsmal Gold der erfolgreichste Olympionike des Vereinigten Königreichs, teilte seinen Entschluss in seiner Heimatstadt Edinburgh mit.

13 Jahre nach dem Gewinn seines ersten olympischen Edelmetalls in Sydney (Silber im Teamsprint) muss der 37-Jährige seinem Alter Tribut zollen. "Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Gemeinsam mit meiner Familie und meinen Trainern habe ich lange darüber nachgedacht, aber ich weiß, dass es die richtige Entscheidung ist", sagte Hoy, der seine Laufbahn damit nicht wie zuvor spekuliert bis zu den Commonwealth Games 2014 im schottischen Glasgow fortsetzt.

Kein Heimspiel

Hoy verzichtet nicht ganz ohne Wehmut auf das Heimspiel. "Nichts würde mir mehr Freude machen, als nach Glasgow zu fahren, aber ich will nicht einfach nur dabei sein", erklärte er. Er habe bei den Spielen in London "bis zum letzten Tropfen" alles gegeben: "Ein weiteres Jahr wäre ein Jahr zu viel. Deshalb ist es nun an der Zeit, dass jüngere Fahrer erleben, wie es ist, vor heimischer Kulisse anzutreten."

Dabei hatten die Briten gehofft, eine der Ikonen der Spiele von London noch einmal im eigens für die Wettbewerbe errichteten "Sir Chris Hoy Velodrome" sprinten zu sehen. Vor rund neun Monaten war Hoy zu einer der Symbolfiguren des Sommermärchens auf der Insel geworden. Wie die Leistungen der Leichtathleten Jessica Ennis und Mo Farah oder die seines Straßenradkollegen Bradley Wiggins entfachten vor allem Hoys Auftritte weit über das Velodrom hinaus Begeisterung.

Hoy, der bei der Eröffnungsfeier die britische Mannschaft als Träger des Union Jack anführte, gewann neben dem Teamsprint auch Keirin-Gold in seinem letzten großen Rennen. Diesem Kraftakt zollt er nun Tribut: "Ich habe gar nicht gemerkt, wieviel London mir abverlangt hat."

"His Royal Hoyness"

Bereits vier Jahre zuvor in Peking hatten sich die Briten vor Hoy verneigt, als das Kraftpaket als ihr erster Landsmann seit 100 Jahren gleich dreimal Olympia-Gold nach Hause brachte. Später wurde "His Royal Hoyness", ohnehin mit zwei Ehrendoktortiteln und einem britischen Verdienstorden ausgestattet, von der Queen zum Ritter geschlagen.

An dieser Erfolgsgeschichte darf sich auch Star-Regisseur Steven Spielberg zumindest einen kleinen Anteil anrechnen. Sein Hollywood-Klassiker um den liebenswürdigen Außerirdischen E.T. weckte in dem damals sechsjährigen Chris Hoy den Wunsch nach einem eigenen Fahrrad.

Sein erster Drahtesel begeisterte allerdings nur bedingt: Das von einem Nachbarn geschenkte Mädchenfahrrad fuhr Hoy - glaubt man seiner Mutter Carol - vermutlich nicht ganz ohne Hintergedanken schnell zu Schrott. Hoys Eltern ersetzten es durch ein angesagtes BMX, Hoys Leidenschaft für das Radfahren war geboren. (sid, 18.4.2013)