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"Wir wollen uns künftig mehr auf das Großkundengeschäft konzentrieren", so Bank-Austria-Osteuropa-Chef Papa über die neue Strategie.

Foto: reuters/sezer murad

STANDARD: Wollen Sie in Mittel- und Osteuropa weiter wachsen?

Papa: Derzeit streben wir ein organisches Wachstum an, wir haben keinerlei Akquisitionen im Visier. Bieten sich Gelegenheiten, werden wir uns diese aber ansehen. Ein zentrales Kriterium ist für uns jedenfalls die Qualität der Assets.

STANDARD: Sie haben in Osteuropa vor kurzem mit dem Verkauf der UniCredit-Tochter in Kasachstan einen Restrukturierungsprozess eingeleitet. War Kasachstan ein Verlustgeschäft?

Papa: Ich würde nicht von einer Restrukturierung sprechen. Wir optimieren unsere Strukturen und setzen neue Schwerpunkte. Im Rahmen dieser Neuausrichtung werden wir unsere kasachische Tochter etwa zum einfachen Buchwert an einen lokalen Investor abgeben. Gleichzeitig beabsichtigen wir unsere beiden Banken in der Ukraine zu fusionieren, und wir wollen unsere Töchter in Tschechien und der Slowakei zusammenführen.

STANDARD: Wo liegt der Fokus im Osteuropa-Geschäft?

Papa: Unser Fokus liegt auf vier Wachstumsmärkten: auf Russland, Tschechien, der Türkei und auf Polen, das nicht unter meiner Verantwortung steht. Auf anderen Märkten wollen wir unsere Präsenz konsolidieren.

STANDARD: Welche Teilbereiche wollen Sie ausbauen?

Papa: Wir wollen uns künftig mehr auf das Großkundengeschäft konzentrieren. Dieses macht bereits 60 Prozent der gesamten Tätigkeit in Mittel- und Osteuropa aus und könnte noch erweitert werden. Wir sind mit langjährigem Know-how Marktführer in Osteuropa. Ich sehe etwa bei deutschen Unternehmen noch ein großes Wachstumspotenzial. Ihr Außenhandel mit dem Osten nimmt ständig zu, und ihre Direktinvestitionen in der Region machen zehn Prozent der gesamten deutschen Investitionen aus.

STANDARD: Mittel- und Osteuropa waren für UniCredit im Vorjahr der wichtigste Wachstumsmotor. Wie entwickelt sich der Markt 2013?

Papa: Auch wenn die Situation nicht rosig ist, erwarten wir heuer bessere Ergebnisse. Das Ostgeschäft hat im Vorjahr 70 Prozent zum Vorsteuergewinn der Bankengruppe beigetragen. Das ist ein Rekordstand. Zweifellos wird das Wachstum 2013 in den zentral- und osteuropäischen Ländern mit 2,8 Prozent klar über jenem des Euroraums liegen. Nur ein einziges Land, Slowenien, befindet sich noch in der Rezession. Wir haben im Vorjahr unsere Kundenzahl um drei Prozent auf 14,5 Millionen und den Wert der Einlagen um elf Prozent erhöht.

STANDARD: Werden Sie Bankfilialen im Osten schließen?

Papa: Wir verfügen dort über rund 2.800 Filialen. Wir wollen keine Standorte schließen, sondern sie umstrukturieren und mit neuen Modellen an den Kundenbedarf anpassen.

STANDARD: Worin wollen Sie künftig investieren?

Papa: In Innovation und neue Technologien. Wir haben in Bulgarien vor drei Wochen einen neuen Filialtyp eröffnet. Sollte dieses Modell, bei dem die Wartezeit der Kunden maximal drei Minuten beträgt und zahlreiche Bankdienstleistungen durch Terminals von den Kunden selbst getätigt werden - wie etwa Geldüberweisungen und Einlagen -, Erfolg haben, werden wir dieses Modell in anderen Ländern wiederholen. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 19.4.2013)