Es ist 6000-mal so giftig wie Zyankali und schon in kleinen Mengen tödlich: Nur 70 Mikrogramm Rizin, etwa die Größe eines Salzkorns, können einen erwachsenen Menschen umbringen - jedenfalls dann, wenn es in den Körper injiziert wird.

Das aus den Samen des Rizinusstrauchs gewonnene Gift tötet Zellen, indem es die Eiweißproduktion blockiert und zum Verklumpen roter Blutkörperchen führt. Der Tod tritt meist erst nach einigen Tagen durch eine Lähmung des Atemzentrums ein. Ein Gegenmittel ist noch nicht verfügbar, Überlebende haben mit bleibenden Schäden zu kämpfen.

Rizin kann nicht nur durch Injektion, sondern auch über die Nahrung oder durch Einatmen in den Körper gelangen. Experten gehen aber davon aus, dass es mit einfachen Mitteln nicht möglich ist, Rizin so in der Luft zu verteilen, dass es als Massenvernichtungswaffe eingesetzt werden kann.

Der bulgarische Dissident Georgi Markow starb 1978 in London, nachdem er von einem Unbekannten mit einem präparierten Regenschirm verletzt worden war. 2003 und 2004 an Ex-US-Präsident George Bush jr. und den Senator Bill Frist geschickte Rizin-Briefe wurden abgefangen. (mesc, DER STANDARD, 19.4.2013)