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Ausnahmensweise nicht zu viert: Branford Marsalis.

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Wien - Four MFs Playin' Tunes lautet der Titel der aktuellen CD von Branford Marsalis. Und während sich im Zuge der Veröffentlichung viele Medien dem kryptischen Akronym "MF" widmeten, das Marsalis selbst mit Unschuldsmiene mit "musical friends" oder "magic fairies" auflöste, so lag die Betonung doch auf dem ersten Wort: "four".

Denn der 52-jährige Saxofonist aus New Orleans, älterer Bruder von Trompeter Wynton Marsalis, konzentriert sich seit Jahren auf die Arbeit im klassischen Jazzquartettformat. Seit 1996 hat sein Vierer nur zwei Umbesetzungen erlebt und ist so zu einer der beständigsten und bedeutendsten "Working Groups" des Gegenwartsjazz mutiert.

Das sei erwähnt, da Branford Marsalis am Freitag im Wiener Konzerthaus exzeptionellerweise aus der Reihe tanzt. Vor einigen Jahren ergab sich im Rahmen des Newport Jazz Festivals die Gelegenheit zu einem spontanen Konzert mit Pianist Joey Calderazzo. 2010 folgte das Album Songs of Mirth and Melancholy (Marsalis Music), das die kammermusikalische Balladenseite im Saxofonisten offenbart.

In schlafwandlerischer Interaktion mit Calderazzo, der seit 1998 als Quartett-Pianist fungiert, singt Branford weite Melodielinien - von Eigenkompositionen über Wayne-Shorter-Stücke bis hin zu Johannes Brahms' Die Trauernde - auf überraschende, schlüssige Art aus.  (Andreas Felber, DER STANDARD, 19.4.2013)