Moskau - Die Geschichte des Forbes-Ratings in Russland ist auch eine Geschichte der Ära Wladimir Putin. Als vor zehn Jahren die erste Liste veröffentlicht wurde, gab es gerade einmal 36 Milliardäre im Land. An der Spitze stand damals ein gewisser Michail Chodorkowski, obwohl der zu jener Zeit bereits in U-Haft saß. Inzwischen ist sein Konzern Yukos zerschlagen und verstaatlicht.

Der damals Letztplatzierte unter Russlands Milliardären - Alischer Usmanow - hat es unterdessen bis ganz an die Spitze geschafft. Mit einem Vermögen von 17,6 Milliarden Dollar hält der usbekischstämmige Besitzer von Metallurgie-, Telekom- und Internetkonzernen das zweite Jahr in Folge den ersten Platz unter Russlands Oligarchen.

Mit 16,5 Milliarden Dollar (+3,1 Milliarden Dollar gegenüber 2012) ist ihm Alfa-Bank-Besitzer Michail Fridman aber dicht auf den Fersen. Fridman profitierte ebenso wie der Viertplatzierte Wiktor Wekselberg (15,1 Milliarden Dollar) vom Verkauf seiner Anteile am Ölkonzern TNK-BP. Käufer war der Staatskonzern Rosneft, der seinerzeit das Yukos-Erbe übernahm - so schließt sich der Kreis.

Neue Gesichter in Top Ten

Ebenfalls deutlich zulegen konnte Novatek-Besitzer Leonid Michelsen. Der Gasmilliardär nahm gar um 3,5 Milliarden Dollar zu und belegt nun Rang 3 (15,4 Milliarden Dollar). Zudem gibt es zwei neue Namen in den Top Ten. Exbankier Andrej Melnitschenko hat es mit Düngemitteln und Kohle zu 14,4 Milliarden Dollar auf Rang sechs im Milliardärsrating gebracht.

Den größten Gewinn machte allerdings ein Milliardär, dem hartnäckig beste Verbindungen zu Präsident Putin nachgesagt werden: Gennadi Timtschenko vergrößerte 2012 sein Vermögen um fünf Milliarden auf 14,1 Milliarden Dollar und liegt damit auf Rang neun - gleichauf mit der Nummer acht Wladimir Lissin und noch vor Expräsidentschaftskandidat Michail Prochorow.

Auch die durch ihre Judo-Kontakte zu Putin bekannten Brüder Arkadi und Boris Rotenberg machen einen deutlichen Sprung nach vorn: Arkadi (3,3 Milliarden Dollar) steigerte sich um 63 Plätze auf Rang 31; Boris (1,4 Milliarden Dollar) gar um 113 Plätze. Größter Verlierer des Rankings ist übrigens der als kremlkritisch geltende Bankier Alexander Lebedew, der eine halbe Milliarde verliert und mit "nur" noch 600 Millionen Dollar auf Rang 164 der 200 reichsten Russen landet. Lebedew hat angekündigt, seine Geschäfte in Russland gänzlich aufgeben zu wollen.

Insgesamt haben die meisten Superreichen jedoch gewonnen: So listet Forbes 110 Dollar-Milliardäre in Russland auf; 2012 waren es nur 96. Die zehn reichsten Männer des Landes steigerten zudem ihr Gesamtvermögen um fast zehn Milliarden Dollar und sind nun 150 Milliarden schwer. (André Ballin, DER STANDARD, 19.4.2013)