Neu-Delhi - Nach der tagelangen Vergewaltigung eines fünfjährigen Mädchens in der indischen Hauptstadt Neu Delhi ist ein Verdächtiger gefasst worden. Die Polizei nahm den 25 Jahre alten Mann im Bundesstaat Bihar im Osten des Landes fest, wie ein Sprecher am Samstag mitteilte. Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um den Nachbarn handeln.

Das Mädchen ist nach Krankenhausgaben inzwischen außer Lebensgefahr und bei Bewusstsein. "Ihr Zustand ist recht stabil und sie ist unter genauer Beobachtung", sagte ein Arzt am Samstag.

Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen Fabrikarbeiter, der im Osten des Bundesstaats Bihar festgenommen wurde. Nach Polizeiangaben war er in das Dorf seines Schwiegervaters geflohen und wird nun nach Neu Delhi zurückgebracht. Ihm wird Vergewaltigung, versuchter Mord und illegale Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Beim Spielen verschwunden

Die Fünfjährige war am Montag beim Spielen verschwunden. Nach Angaben der Polizei war sie von ihrem Peiniger entführt, zwei Tage lang ohne Nahrung festgehalten und mehrfach missbraucht worden. Erst 48 Stunden später fanden sie Nachbarn, nachdem sie Hilferufe der Kleinen hörten. Der Verdächtige habe das Kind mehr als 40 Stunden in seiner Gewalt gehabt und dann schwer verletzt zurückgelassen, damit es ums Leben komme, sagte der leitende Ermittler der Polizei von Neu Delhi, Prabhakar. "Es ist die Tat eines Monsters", sagte ein Polizeibeamter.

Nach Angaben von Ärzten erlitt das Mädchen schwere äußere und innere Verletzungen. Womöglich habe der Angreifer sie erwürgen wollen. 

Bestechungsversuch

Der Vater des Mädchens hatte laut Medienberichten die Polizei beschuldigt, seine Familie bestechen zu wollen. Ihnen seien 2.000 Rupien (etwa 28 Euro) angeboten worden, wenn sie "ruhig bleiben". Die Polizei sei nach dem Verschwinden informiert worden, doch habe sie zunächst nichts unternommen, hieß es.

Wütende Proteste

Die Vergewaltigung des Mädchens hat in Indien wütende Proteste ausgelöst. Die seit Freitag in Neu-Delhi anhaltenden Demonstrationen erhielten einen zusätzlichen Schub durch Fernsehaufnahmen eines Polizisten, der eine Demonstrantin schlug. In der Hauptstadt protestierten Familienmitglieder, Nachbarn und Aktivisten gegen Polizei und Behörden. Auch am Freitag gab es Proteste vor dem Krankenhaus, in dem das fünf Jahre alte Mädchen behandelt wurde.

Zahlreiche Zeitungen brachten die Nachricht der Gewalttat auf ihren Titelseiten. Premierminister Manmohan Singh äußerte sich am Freitagabend "zutiefst verstört" über die Tat, die er einen "beschämenden Vorfall" nannte. Er rief die Gesellschaft auf, gegen solche Verbrechen vorzugehen.

Im Dezember hatte die brutale Gruppenvergewaltigung einer Studentin in Neu Delhi die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Nach dem Vorfall, den das Opfer nicht überlebte, gab es zahlreiche Demonstrationen, bei denen heftige Kritik an Polizei, Justiz und Politik geäußert wurde. (APA, 20.4.2013)