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Als die 15-jährige Schwedin Julia Schneider 2011 den Elite-Model-Bewerb gewann, sorgte ihr zarter Körper nicht nur für Begeisterung. Elite äußert sich jetzt "entsetzt" über die Klinik-Rekrutierung.

Foto: REUTERS/CARLOS BARRIA

Der Mager-Wahn der Modewelt steht erneut im Blickpunkt: Für Empörung haben in Schweden Meldungen gesorgt, wonach eine große Modelagentur direkt vor einer Klinik für Menschen mit Essstörungen versucht haben soll, Patientinnen anzuwerben.

Die Leiterin des Stockholmer Zentrums für Essstörungen, Anna-Maria af Sandeberg, hatte am Donnerstag gegenüber der Zeitung "Metro" berichtet, die Agenten hätten dabei sogar Mädchen angesprochen, die aufgrund ihrer schweren Krankheit im Rollstuhl saßen. Zwar seien seit einigen Monaten keine Abwerbungsversuche mehr bekanntgeworden, dass es weitere Fälle gebe, sei aber nicht auszuschließen.

Elite: "Widerliche Methoden"

Kein Repräsentant großer Modelagenturen wolle von einschlägigen Rekrutierungsversuchen gehört haben, hieß es in einem Bericht des Schwedischen Rundfunks. Empört über die beschriebenen "widerlichen Methoden" äußerte sich Fredo Kazemi, Chef der Stockholmer Agentur Elite Model. Beim Lesen des Berichts sei ihm "durch und durch kalt geworden", so Kazemi im Schwedischen Rundfunk.

Dass Elite selbst 2011 in der Kritik stand, als die erst 15-jährige und auffallend schlanke Julia Schneider den gleichnamigen Modelwettbewerb gewann, fiel dabei unter den Tisch. Mika Kjellberg von Mikas Modellagentur nannte das Verfahren "so unverschämt, dass mir die Worte fehlen". Sie habe niemals dergleichen gehört. "Keine Agentur will kranke Menschen ausnutzen", so Kjellberg gegenüber Aftonbladet.

"Anorexie-Trick" ist nicht neu

Die Unwissenheit der Branche wird unterdessen zunehmend in Zweifel gezogen. Der "Anorexie-Trick" scheint keineswegs neu. Sie habe im Lauf ihrer langjährigen Anorexie-Erkrankung mehrfach Modelangebote erhalten, berichtet eine junge Frau im Schwedischen Rundfunk.

"Ich war damals 16, schwer krank und wurde zwischen der Klinik und meinem Zuhause hin- und hergefahren", so Angelica Karlsson über einen dieser Fälle. "Als ich auf das Taxi wartete, kam ein Mann und fragte mich, ob ich Model werden wolle." Auf ihre Antwort, sie sei krank, habe der Mann damals "nicht reagiert". (Anne Rentzsch aus Stockholm, DER STANDARD, 20./21.4.2013)