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Doppel-Olympiasieger Roman Hagara. 

Foto: EPA/Stringer

Standard: Wie segelt es sich auf dem AC-45-Kat?

Hagara: Es segelt sich sehr gut, sehr hart, sehr schnell. Wir kennen das Boot ja bereits, hatten im Februar eine Trainingseinheit vor San Francisco. Die Umstellung vom Extreme-40-Katamaran ist eigentlich kein Problem für uns, obwohl wir ja erst am vergangenen Sonntag in Singapur in der Extreme Sailing Series gesegelt sind.

Standard: Worum geht es bei Ihrem Einsatz vor Neapel?

Hagara: Es geht um die Beschleunigung, den Gesamtspeed und um die Manöver. Wir haben zwei neue Teammitglieder in Neapel auf dem Boot. Der Ablauf an Bord muss sich da natürlich erst richtig einspielen.

Standard: Die Kats sind nicht ganz ungefährlich. Sie sind 2010 mit dem Extreme-40-Kat gekentert. Angst, dass das wieder passiert?

Hagara: Wir sind zweimal gekentert, 2010 im Oman und 2011 in Japan. Wer vor diesen Bootsklassen Angst hat, ist auf dem falschen Platz und sollte sich auf einen Monohull setzen. Wir kennen das Risiko, bereiten uns auf jeden Einsatz akribisch vor, versuchen mit überlegten Handlungen und dem perfekten Set-up an den Start zu gehen. Dass man im schlimmsten Fall aus 15 Metern abstürzen kann, ist uns bewusst.

Standard: Hatten Sie genug Zeit, den Kat in den Griff zu bekommen?

Hagara: Die Zeit ist knapp. Wir sind nach der Siegerehrung in Singapur direkt in den Flieger nach Neapel gestiegen. Eine Stunde nach Ankunft waren wir bereits an Bord. Wir haben mit Oracle natürlich einen perfekt aufgestellten Partner. Allerdings ist es schwierig, in nur drei Tagen den Feinschliff zu vollziehen. Wir sind auch hier, um Spaß zu haben. Und wer uns kennt, weiß, dass wir am Ende immer unser Bestes geben werden. Es ist einfach unglaublich hier in Neapel. Bereits um 9 Uhr früh stehen tausende Menschen vor den Zäunen und versuchen, auf das Gelände zu kommen. Bei den Trainingsrennen sind mehr Zuseher als bei einem durchschnittlichen Bundesliga-Fußballspiel bei uns.

Standard: Es gibt Traditionalisten, die die Kats und das auf Adrenalin ausgerichtete Konzept im America's Cup ablehnen. Wie stehen Sie zu der Neuerung durch die Kats?

Hagara: Das Konzept hat sich bewährt. Es ist kein Adrenalin-Tamtam, sondern Segeln auf höchstem Niveau. Der Segelsport ist nun viel breiter aufgestellt. Es ist einfach eine Tatsache, dass ein Katamaran um Klassen spektakulärer und schneller ist als ein Monohull. Was die Extreme Sailing Series und der AC im Bezug auf das TV-Produkt, die Vermarktung und für die Zuschauer vor Ort leisten, ist unglaublich gut und noch weiter ausbaubar. Was sich in den letzten Jahren in den Segelnationen und vielen anderen Ländern der Welt verändert hat, ist bemerkenswert. Wir werden wahrgenommen, der Sport zieht hunderttausende Menschen an die Ufer. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, gegen die besten der Welt auf so schnellen Booten zu segeln.

Standard: Wie kam die Idee zustande, in Neapel zu starten?

Hagara: In den vergangenen zwei Jahren sind mehrfach AC-Teams an uns herangetreten. Wir haben mit einem Top-Team auch bereits ausführlich verhandelt, uns am Ende aber dagegen entschieden.

Standard: Warum?

Hagara: Weil für uns eigentlich nur ein eigenes Team infrage kommt. Wir wollten die Entwicklung abwarten. Unsere Beziehung zum America' s-Cup-Champion Oracle ist ja seit Jahren überaus positiv. Wir haben Jimmy Spithill schon beim 32. Cup vor Valencia unter die Arme gegriffen oder haben für das Team Trainingseinheiten organisiert. Der Kontakt ist immer enger geworden. Seitdem wir auch Sportdirektoren des Red Bull Youth America's Cup sind, verbringen wir sowieso die Hälfte unserer Zeit mit Oracle und dem AC-Leuten in den USA. Seit Anfang Februar arbeitet unser Management an der Teilnahme in Neapel. Wir haben nach vielen Gesprächen und langen Verhandlungen ein Angebot bekommen. Jetzt nutzen wir die Chance, um vom Titelträger zu lernen.

Standard: Liebäugeln Sie mit einer Teilnahme an einem späteren America's Cup? Wäre eine Teilnahme an die Voraussetzung gebunden, dass auf Kats gesegelt wird? Oder würden Sie auch auf herkömmlichen Kielbooten teilnehmen wollen?

Hagara: Wir haben einen klaren Plan aufgestellt, als wir 2008 aus dem olympischen Segeln ausgestiegen sind. Seit Olympia in China haben wir diesen ohne Umwege durchgezogen und sind jetzt genau dort, wo wir hin wollten. Wir arbeiten Step by Step und sind auf dem richtigen Weg. Ganz ehrlich - wenn mir vor fünf oder sechs Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mit einem eigenen Team an der America's Cup World Series teilnehme, hätte ich denjenigen wohl ausgelacht. Deshalb sind wir jetzt einmal zufrieden und glücklich. Was danach kommt, werden wir sehen.

Standard: Keine konkreten Pläne?

Hagara: Wir wollen den Gesamtsieg in der Extreme Sailing Series holen und den Red Bull Youth America's Cup, die geschichtsträchtigste Entwicklung seit Bestehen des America's Cup, erfolgreich über die Bühne bringen. (Ingo Petz, DER STANDARD, 20./21.4.2013)