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Nokia: Keine Chance gegen Samsung, aber eine Chance auf das Überleben im Smartphone-Sektor, meint ein Analyst.

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Die Quartalsergebnisse von Nokia waren in den vergangenen Jahren ziemlich düster. Und auch die Ergebnisse für das erste Quartal 2013 hatten das Potenzial für eine weitere Horrorgeschichte. Schließlich legten die Finnen bereits vor drei Monaten die Basis dafür. Damals gab man eine Warnung aus, dass dieser Bericht schlecht ausfallen werde. Am Ende kam es auch so – allerdings war er nicht ganz so schlecht wie er hätte sein können.

Deutlicher Zuwachs bei Lumia-Verkäufen

Schauen wir uns zwei Highlights an. Zuerst, und am wichtigsten, das Abschneiden des Flaggschiff-Smartphones Lumia, das mit dem Windows Betriebssystem von Microsoft läuft. Lumia ist Nokias Wette auf die Zukunft. Selbst in dem traditionell schwachen ersten Quartal direkt nach der Weihnachtssaison hat es das Unternehmen geschafft, die Lumia-Verkäufe um 27 Prozent auf 5,6 Millionen Stück zu steigern.

Pete Cunningham, Analyst von Canalys, nannte das eine wichtige Leistung, die nicht unterbewertet werden sollte: "Sie sind zuversichtlich, was das nächste Quartal angeht. Sie wollen mehr als sieben Millionen Stück verkaufen."Das andere gute Ergebnis war die Verbesserung der desolaten finanziellen Lage. Die Verluste wurden mächtig auf 272 Millionen Euro eingegrenzt – nach einem Minus von 928 Millionen im Vorjahr. Auf bereinigter Basis war Nokia sogar das zweite Quartal in Folge profitabel. Außerdem konnten die Finnen den Barmittelbestand um 120 Millionen Euro aufbessern.

Geschäft mit klassischen Handys bricht ein

Allerdings kann es sich Nokia-Chef Stephen Elop noch längst nicht leisten, die Füße hochzulegen und eine Runde Golf spielen gehen. Es läuft bei dem strauchelnden Handygiganten immer noch einiges schief.

Der Katechismus des Scheiterns findet sich in brutaler Klarheit im Bericht: "Nokias Nettoumsatz fällt um 19 Prozent"... "Nokia setzt 56 Prozent weniger Smartphones ab"... "Nokia verkauft 19 Prozent weniger Handys"... Der Nettoumsatz der gesamten Sparte "Devices + Services" fällt um 34 Prozent"... "Der Nettoumsatz der Sparte "Location & Commerce" fällt um sechs Prozent".

Und eines der schlechtesten Ergebnisse war der schneller als erwartete Rückgang bei Nokias ehemaliger Cash Cow, dem Handygeschäft (alles außer Smartphones), hier ging der Absatz im Jahresvergleich um 31 Prozent zurück. "Das Handygeschäft war das Lebenselixier und der Herzschlag des Konzerns", sagt Geoff Blaber, Analyst von CCS Insight. "Im ersten Quartal hat sich das dramatisch geändert. Für Nokia ist das langfristig sehr besorgniserregend. Es ist klar, dass das Geschäft unter erheblichen Wettbewerbsdruck gerät."

Fallbeispiel China

Nirgendwo zeigt sich dieser Druck deutlicher wie in China. Vor zwei Jahren hat das Unternehmen dort noch 21 Millionen Stück verkauft mit einem Umsatz von knapp 1,5 Milliarden Euro. In demselben Quartal 2013 lag der Absatz bei 3,4 Millionen, womit Nokia 256 Millionen Euro aus China nach Hause gebracht hat. Zu schaffen macht dem Unternehmen der harte Preiskampf bei einfachen Handys, die mit Googles Android-Betriebssystem laufen.

Um den günstigen Android-Geräten zu begegnen, hat Nokia neben seinen Lumia-Smartphones auch die günstigere Asha-Reihe vorgestellt. Die Geräte der Asha-Reihe können von der technischen Ausstattung nicht mit echten Smartphones mithalten. Allerdings soll ein wenig Lumia-Glanz auch auf sie abfärben. Allerdings verändert sich die Smartphone-Welt sehr schnell, sagt Analyst Horace Dediu of Asymco.

Kalt erwischt

Der schnelle Smartphone-Umbruch hat einige Unternehmen kalt erwischt – darunter auch Nokia. Er hat sich in ihr Featurephone-Geschäft gefressen. Smartphones gibt es nun in allen Preisklassen, bis hin zu den günstigsten Geräten. Das Asha kann gegen ein solches Produkt mit Smartphone-Ökosystem nicht bestehen, selbst wenn es gute Funktionen hat, gut aussieht und benutzerfreundlich ist", sagt er.

Dediu sagte außerdem, dass es für Besitzer des Ashas keine vorgezeichnete Möglichkeit gibt, auf bessere Hardware mit Windows Phone umzusteigen. Obwohl Nokia im untersten Preissegment von Windows-Phone-Geräten mit dem Einstiegsmodell Lumia 520 sehr erfolgreich war, bliebe der Umstieg von Asha auf ein Windows-Phone-Gerät ein großer Sprung. Wie hofft Nokia, loyale Nutzer dazu zu bewegen, vom Asha auf Windows-Phone-Geräte umzusteigen?

Überleben im Smartphone-Biz möglich

Cunningham mahnt zum Realismus bei der Einschätzung Nokias. „Erwarten wir, dass Nokia zu den schwindelerregenden Höhen zurückgeht, die es 2009 erreichte? Nein. Diese Zeiten kommen nie wieder. Werden sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Samsung liefern? Nein. Aber können sie ein tragfähiges Geschäftsmodell bei Smartphones aufbauen? Ich glaube, dass die Antwort darauf Ja lautet." (Ben Rooney, WSJ.de/derStandard.at, 20.04.2013)