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Keiner da bei der Lufthansa: Das Bodenpersonal führte am Montag einen Warnstreik durch. 

Foto: Reuters/Fabrizio Bensch

Berlin - Es scheint, als hätten sich die Deutschen schon an die vielen Streiks im Flugverkehr gewöhnt. Obwohl Lufthansa, Europas größte Fluggesellschaft, am Montag nur 30 Flüge durchführen konnte und 1700 Flüge in Deutschland und Europa vorsorglich strich, blieb das erwartete Chaos aus.

Die meisten Passagiere nahmen das Angebot der bestreikten Airline an, entweder umzubuchen oder die Deutsche Bahn zu benutzen. Die Lufthansa hatte ihre Kunden zuvor über Alternativmöglichkeiten informiert, sodass sogar in Frankfurt, der Heimatbasis der Lufthansa, gähnende Leere herrschte.

Dennoch ist das Lufthansa-Management stinksauer. "Das ist völlig unverhältnismäßig. Ein 24-Stunden-Warnstreik ist ein Vollstreik, wir konnten 150.000 Passagiere nicht befördern", sagte Personalvorstand Stefan Lauer. Nach und von Österreich fielen 68 Flüge aus, die Lufthansa-Tochter AUA nahm auch bei diesem Arbeitsausstand wieder gestrandete Passagiere der Kranich-Airline auf. Immerhin: Bei der Lufthansa-Tochter Germanwings gab es keine Einschränkungen.

Für den Streik war diesmal das Bodenpersonal verantwortlich, zum Ausstand hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen. Diese war mit dem flächendeckenden Warnstreik zufrieden. "Gemeinsam machen wir deutlich, dass wir die absurden Forderungen nach Lohnsenkungen nicht hinnehmen werden, sondern uns dagegen zur Wehr setzen", sagte Christine Behle vom Verdi-Bundesvorstand, die auch die Verhandlungen führt.

Die Gewerkschaft fordert 5,2 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und Jobgarantien für rund 33.000 Mitarbeiter von Lufthansa Cargo, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems sowie für die Lufthansa-Mitarbeiter am Boden und in der Kabine. Die Airline bietet ein Vergütungsmodell, bei dem ein Teil der Bezahlung vom Lufthansa-Erfolg abhängt. Einzelne Berufsgruppen kämen über einen Zeitraum von 29 Monaten auf ein Lohnplus von drei Prozent. Jobgarantien will die Fluggesellschaft nur geben, wenn die Mitarbeiter längere Arbeitszeiten und spätere Lohnsteigerungen akzeptieren. In einer Woche steht die nächste Verhandlungsrunde an. Einen ersten, deutlich weniger massiven Warnstreik hatte es schon am 21. März gegeben. Damals waren "nur" 700 Flüge ausgefallen.

Seit rund einem Jahr kommt es an deutschen Flughäfen immer wieder zu Streiks, von manchen ist nicht alleine die Lufthansa betroffen. So streikte am 10. Dezember an mehreren deutschen Flughäfen das private Sicherheitspersonal, auch diesen Austand hatte Verdi organisiert.

Mehrere Fronten

Doch es gibt noch weitere Gewerkschaften, mit denen die Lufthansa im Clinch liegt. Die meisten der rund 5500 Lufthansa-Piloten, sind Mitglied von "Cockpit". Seit einem Jahr wird über einen neuen Tarifabschluss verhandelt, ein Ergebnis ist noch nicht in Sicht. Auch Cockpit fordert 5,2 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

3,95 Prozent mehr Lohn erstreikten die rund 18.000 Flugbegleiter im vergangenen Sommer. Dass ihre Gewerkschaft Ufo bald wieder aufbegehrt, muss Lufthansa nicht fürchten. Der Vertrag wurde für zwei Jahre abgeschlossen, davor jedoch hatte es massive Behinderungen gegeben. (bau, DER STANDARD, 23.4.2013)