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Die Dax-30-Unternehmen wehren sich gegen "politische Nachhilfe" durch eine gesetzlich verordnete Frauenquote und setzen auf die Selbstverpflichtung.

Foto: REUTERS/STRINGER/GERMANY

Berlin/Frankfurt am Main - Die Dax-Konzerne haben einem Bericht der Zeitung "Welt am Sonntag" zufolge den Frauenanteil in den oberen Etagen gesteigert. Die Mehrheit der dreißig größten börsenotierten Firmen im Nachbarland meldet demnach, dass ihr Frauenanteil an den Führungspositionen seit 2010 zugelegt hat.

Selbstverpflichtung der Dax-Unternehmen

Den höchsten Anteil weiblicher Führungsposten habe das Chemieunternehmen Henkel: Dort sei die Quote zwischen 2010 und 2012 von 28,5 auf 30,4 Prozent gestiegen. Der Versicherer Allianz steigerte die Quote im gleichen Zeitraum von 24,7 auf 26,7 Prozent. Die Deutsche Telekom, die als erstes Unternehmen schon 2010 freiwillig eine Frauenquote von dreißig Prozent einführte, kommt auf 14,6 Prozent - 2,1 Prozentpunkte mehr als 2010.

Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth kritisierte, dass die Politik nur die Aufsichtsratsposten im Blick habe. Die Selbstverpflichtung der Dax-30-Unternehmen gehe viel weiter. Der Konzern wolle weibliche Führungskräfte auf allen Ebenen des Unternehmens. "Allein bei Daimler geht es um 700 Frauen, die in den nächsten Jahren in Führungspositionen kommen werden." Von der in der Politik erwogenen Quote für Aufsichtsräte würden hingegen nur ein paar wenige Frauen profitieren, sagte der Daimler-Manager.

Dax-30: "Gegen politische Nachhilfe"

Nach den Worten von E.ON-Personalmanagerin Regine Stachelhaus fällt es dem Konzern in Deutschland schwerer als in anderen Ländern, Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Dies habe gesamtgesellschaftliche Gründe - von der Kinderbetreuung bis zur Berufswahl der Frauen, "die nicht allein die Unternehmen lösen können." Die Dax-30-Unternehmen wehrten sich "gegen politische Nachhilfe durch eine gesetzlich verordnete Quote", sagte Stachelhaus.

Am Donnerstag hatte die deutsche Regierungskoalition im Bundestag einen Gesetzentwurf des Bundesrats abgelehnt, der für Spitzenpositionen in Unternehmen ab 2018 eine Mindestquote von zwanzig Prozent und ab 2023 von vierzig Prozent vorsah. Mehrere weibliche Unions-Abgeordnete hatten zuvor in Aussicht gestellt, der von SPD und Grünen initiierten Vorlage zuzustimmen. Um das zu verhindern, vereinbarte die Unionsspitze, die Forderung nach einer festen Frauenquote ins Wahlprogramm der Union aufzunehmen. (APA, 22.4.2013)