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Plus, plus, plus: Um mehrere Hundert Milliarden Dollar könnte die Wirtschaftsleistung dank einer neuen Rechenmethode steigen.

Foto: ap/yuan alexander

Im Juli ist es soweit. Die Wirtschaftsleistung der USA wird dann plötzlich stark angewachsen sein, ohne dass mehr produziert wurde. Der Grund dafür liegt in der Neuberechnung des US-Bruttoinlandsprodukts. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie Lizenzgebühren für Filme werden künftig als Investitionen gesehen, berichten die Financial Times.

Gut für Firmengewinne

Was unbedeutend klingt, hat große Auswirkungen. Um bis zu drei Prozent oder 430 Milliarden Dollar (330 Milliarden Euro) - was dem BIP Österreichs entspricht - könnte die ausgewiesene Wirtschaftsleistung steigen. 2,1 Prozent kommen laut Bericht durch Forschung und Entwicklung (F&E) dazu, 0,5 Prozent durch "künstlerische Werke" und 0,4 Prozent durch die Neubewertung von Nebenkosten beim Häuserkauf.

"Wir schreiben die Wirtschaftsgeschichte völlig neu", betont Brent Moulton, der die Berechnung durch die Statistikbehörde Bureau of Economic Analysis (BEA) leitet, gegenüber der Zeitung. Zurückgerechnet werde bis ins Jahr 1929, was einem veritablen Paradigmenwechsel gleichkäme. Die Zahlen, die die BEA in ihrer Schätzung angibt, betreffen 2007, dem Jahr Null der neuen BIP-Berechnung.

Im Mittelpunkt des wundersamen BIP-Wachstums stehen Forschung und Entwicklung, die zu zwei Dritteln von den Unternehmen getragen werden. Geld, das in F&E fließt, wird künftig nicht mehr als Ausgabe angesehen, sondern als Investition. Es ist keine Vorleistung mehr, sondern quasi ein Vorrat an verwertbarem Know-how. In der Bilanz scheint es folglich auf der Aktivseite auf. Dadurch würden auch die ausgewiesenen Unternehmensgewinne steigen, so die Financial Times.     

Hollywood-Effekt

Geringere Auswirkungen als die F&E-Ausgaben wird der "Hollywood-Effekt" haben. Filme, TV-Serien, Theaterstücke und Musik werden künftig auch dann die Wirtschaftsleistung erhöhen, wenn sie gar nicht mehr als Investitionen in der Bilanz stehen. Konkret wird der Kapitalwert von Lizenzgebühren, die für die Verwendung von Inhalten lukriert werden, zu den Verkäufen von Tonträgern oder Film-DVDs addiert. Das BIP soll dadurch um 0,5 Prozent steigen.

Als Beispiel wird die US-Serie Seinfeld angeführt. Sie habe seit 1998, dem Jahr ihrer Einstellung, 3,1 Milliarden Dollar erwirtschaftet.  

Ebenfalls vorteilhaft für die Statistik wird es sein, Nebenkosten beim Häuserkauf künftig als Investitionen zu berücksichtigen. Die Rechtsanwalts-Gebühr und die Stempelsteuer werden – wie die Maklerprovision schon heute – als Aufwendungen angesehen. Um 60 Milliarden Dollar oder umgerechnet 0,4 Prozent (2007er-Werte) soll das die Wirtschaftsleistung erhöhen.

Rüstung verleiht Flügel

Die Vereinigten Staaten als Ganzes werden also beträchtlich "wachsen". Größer dürfte aber auch die wirtschaftliche Schlagseite innerhalb der USA werden. Bundesstaaten mit hohen F&E-Ausgaben werden jenen mit niedrigen davoneilen.

Davon betroffen dürften vor allem ohnehin wachstumsschwache Bundesstaaten wie Louisiana oder Alabama sein. Anders schaut es in forschungsstarken Regionen wie Kalifornien, New Mexiko oder Maryland aus. So freut sich Arnold Schwarzenegger-Nachfolger Jerry Brown über jeden Dollar, der im Silicon Valley in die Entwicklung neuer Handys und Computersoftware fließt und dadurch das Regional-BIP erhöht.

In Maryland hingegen werden es die in die Konstruktion neuer Kampfflieger gesteckten Mittel sein, die die Wirtschaftsleistung erhöhen. Laut Financial Times gleich um sechs Prozent.

Die ermittelte wundersame Vermehrung des US-BIPs um drei Prozent ist freilich noch eine Schätzung. Denn umgestellt wird erst im Juli. Am langjährigen Trend langsamen Wachstums dürfte dieser Einmaleffekt aber laut den Statistikern nichts ändern. (sos, derStandard.at, 22.4.2013)