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Die dunkle Seite der menschlichen Psychologie kommt auch bei ETFs ins Spiel.

Foto: EPA/Vennenbernd

Für die meisten Ökonomen und Anlageberater sind die Vorteile von passiven Investmentvehikeln offensichtlich. Damit können Investoren günstiger und schneller in einen Markt anlegen, mit niedrigen Gebühren, keinem Ausgabeaufschlag und (nahezu) sofort.

Doch eine aktuelle Studie der Goethe Universität in Frankfurt legt einen traurigen Schluss nahe: Diese Vorteile kommen bei Otto Normalinvestor nicht an. Fünf Wirtschaftsforscher rund um Andreas Hackethal konnten in Deutschland die Portfolios von 4.139 Kunden analysieren, die bei einem großen Direktbroker ihr Geld veranlagen. Und aus den tausenden Orders schließen die Finanzexperten: Börsengehandelte Fonds (ETFs) haben eine dunkle Seite. Dabei geht die Studie nicht auf die Diskussionen ein, dass die Fonds möglicherweise in Krisenfällen ein Systemrisiko darstellen könnten, wie etwa internationale Aufseher gewarnt haben. Vielmehr verführe die einfache Handelbarkeit der ETFs Anleger dazu Dummes zu tun.

Denn ETFs erlauben Anlegern mit ihren günstigen Gebühren und sekündlichen Handelsmöglichkeiten auf das Auf und Ab der Börsen zu wetten, also Market Timing zu betreiben. Anleger setzen nicht auf langfristige Trends, sondern auf kurzfristige Volatilität an den Märkten. Und damit scheitern die meisten. "Wir schließen aus den Ergebnissen der Studie, dass schlechtes 'Market Timing' für die Ertragsverschlechterung bei den Käufern von index-orientierten Produkten wie ETFs verantwortlich war." Anleger wetten schlicht falsch, so die Studienautoren.

Suboptimaler Umgang

Selbst John Bogle, wenn nicht der Erfinder, dann doch der wichtigste Proponent des passiven Investierens in den USA, warnte jüngst vor dem Gebrauch von ETFs. Zwar seien die meisten Produkte gut, doch wie Anleger damit umgehen sei suboptimal. "Anleger können mit ETFs Spiele spielen, die sie sonst nirgends spielen können", schimpft Bogle. Denn immer mehr Produkte würden auf sehr kleine Märkte aufgelegt werden oder erlauben Leerverkäufe oder gehebelte Wetten, kritisiert Bogle. Der Nutzen von ETFs aber liege darin, langfristig in breit gestreute Aktien- und Anleihenmärkte zu investieren.

Weil aber sich die Anleger so verhalten, dass sie von den möglichen Vorteilen nichts haben, fordern die Frankfurter Forscher Konsequenzen: "Diese Produkte verleiten die Investoren, die Märkte zu timen. Das sollte Aufsichtsbehörden, Konsumentenschutzeinrichtungen, Unternehmen mit betrieblichen Vorsorgeplänen und Ökonomen vorsichtiger stimmen, wenn sie diese Produkte empfehlen."

Die Anlageklasse der passiven ETFs, die so groß ist wie jene der Hedgefonds, könnte daher zwar Gutes für die Investoren bringen, doch die dunkle Seite der menschlichen Psychologie machen viele Vorteile zunichte. (Lukas Sustala, derStandard.at, 23.4.2013)