Wien - Traditionell werden in Katalonien am heutigen Namenstag des heiligen Georg Blumen verschenkt - und Bücher. Da auch die Todestage von Shakespeare und Cervantes auf den 23. April fallen, gilt dieser Tag der Unesco seit 1995 als offizieller Tag für das Lesen, Bücher und die Kultur des geschriebenen Wortes.

In Österreich legen das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB) mit der Vorstellung der 15 schönsten Bücher Österreichs - drei von ihnen, hands have no tears to flow (Springer), Das Bild der Anderen (Fotohof edition) und Unbuildable Tatlin?! (edition angewandte), wurden Montagabend mit Staatspreisen ausgezeichnet - den Fokus auf die haptischen und ästhetischen Vorteile, die das Buch gegenüber der Elektronik behalten wird. Zudem wird vom HVB in Bibliotheken und Buchhandlungen zur Feier des Tages eine Literaturanthologie zum Weinviertel gratis abgegeben.

So viel zum Positiven, denn die Herausforderungen, die E-Books, der Selbstverlag im Internet und der Online-Handel an die Branche stellen, bleiben hoch. Vor allem der stationäre Buchhandel, also der vielgerühmte Buchladen im Quartier oder in der Kleinstadt, steht unter Druck. "Read gobal, buy local" lautet nun ein Schlachtruf, der gegenwärtig auf Neudeutsch durch die Szene schallt.

So setzt die in der Hauptstadt lancierte Kampagne "Ihr Buch hat ein Gesicht - Wiens Buchhandel hat viele" auf Emotion und Beratung gegen Amazon. Auch beim Jahreskongress der österreichischen Buchbranche am 23. Mai ist "Buy local" (neben "E-Commerce") das Hauptthema.

Der Welttag des Buches ist auch der Tag des Urheberechtes. So fragt die IG Autoren: "Festplattenabgabe, wo bist du?" Eine berechtigte Frage, allerdings ist die vor exakt einem Jahr von Ministerin Claudia Schmied vorgeschlagene Festplattenabgabe (sie soll die "Leermedienabgabe" auf CD-Rohlinge ersetzen) nach einer Klage von Hewlett-Packard gegen die Verwertungsgesellschaft Austro Mechana und Widerstand in der Arbeiter- und Wirtschaftskammer vom Tisch. Zumindest für diese Legislaturperiode. (Stefan Gmünder, DER STANDARD, 23.4.2013)