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Richie Havens eröffnete 1969 Woodstock.

Foto: EPA/The Roots Agency

Jersey City - Weltberühmt wurde Richie Havens aufgrund eines Verkehrsstaus. Weil am ersten Tag des Woodstock-Festivals in Bethel im Bundesstaat New York am 15. August 1969 die damals ungleich populärere Folkrockband Sweetwater im Bus festsaß und erst ein Helikopter für ihren Weitertransport organisiert werden musste, hatte Havens als Eröffnungsact mehr Zeit zur Verfügung.

Als dem mit der Bürgerrechtsbewegung verbandelten Folksänger aus der Szene von Greenwich Village allerdings während der Zugabe die geprobten Lieder ausgingen, versuchte er sich an einer spontanen Version des Spirituals Motherless Child und improvisierte spontan zusätzliche Textelemente dazu. "Freedom!", der verzweifelte wie beseelte Schrei nach Freiheit, begründete den Woodstock-Mythos von der großen geeinten Gegenkultur aus der (weißen) Mittelklasse vor allem auch als Teil der Kinodokumentation Woodstock von 1970. Eigentlich war das Festival organisatorisch wie wettermäßig katastrophal verlaufen. Und Richie Havens war sehr wahrscheinlich einer der wenigen auf der Bühne, die nicht auf irgendetwas so sehr drauf waren, dass sie sich später nicht an diese drei Tage volle Peace und Love erinnern konnten.

Havens veröffentlichte in den nachfolgenden Jahren mehr als 25 regelmäßig auch in den Charts auftauchende Platten wie eine tolle soulige Version des George-Harrison-Songs Here Comes The Sun. Legendär auch sein Discoklassiker Going Back To My Roots von 1980.

Der 1941 in Brooklyn in eine Musikerfamilie geborene Havens war zwischen Phasen, in denen er sich von ihm gegründeten Umweltorganisationen wie einem Meeresmuseum und einer Gärtnerschule für Kinder widmete, beständig auf Tour. Er spielte in Filmen und Fernsehserien mit und blieb immer auch ein politischer Künstler: "Ich singe nur Lieder, die mich bewegen. Ich bin nicht im Showbusiness, ich bin im Kommunikationsgeschäft tätig."

2008 auf seinem letzten Album Nobody Left To Crown sang er zu seinem markanten und rhythmusbetonten Gitarrenspiel mit nach wie vor kräftig-krächzender und beseelter Stimme gegen den Irakkrieg an. Aufgrund gesundheitlicher Probleme zog er sich schließlich aus der Musik zurück. Am Montag ist Richie Havens in New Jersey einem Herzinfarkt erlegen. Er wurde 72 Jahre alt. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 24.4.2013)