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John Banville erhält den Staatspreis für Europäische Literatur. 

Foto: EPA / GUILLEN

Wenn in seinem jüngsten Roman Unendlichkeiten die Götter, allen voran Zeus und Hermes, die unseligen Sterblichen ordentlich aufmischen, wird offenbar, dass der Fabulierkünstler John Banville aufs Ganze geht. Das göttliche Spiel entlarvt das Ungeschick menschlicher Beziehungsversuche. Das, was sich zwischen den Menschen abspielt, interessiert den zurzeit bedeutendsten irischen Autor ebenso wie das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Mit erzählerischer Leichtigkeit seziert er große Themen wie Liebe und Tod, Vater-Sohn-Verbindungen und wissenschaftliche Fragen. Banvilles Charaktere sind oft finster, skurril und dennoch liebenswürdig.

Nun wurde dem 67-Jährigen der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur zugesprochen. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung bekommt er am 25. Juli im Rahmen der Salzburger Festspiele verliehen. Neben Theaterstücken und Drehbüchern veröffentlichte der in Wexford geborene Vielschreiber bisher 17 Romane, zudem verfasst er unter dem Pseudonym "Benjamin Black" Kriminalromane. Zwölf Jahre lang leitete John Banville den Literaturteil der Irish Times. In jener Zeit erlas er sich sein umfangreiches literarisches Wissen.

Das Werk des gelehrten Dichters ist gespickt mit Anspielungen aus der Literaturgeschichte, er hat sich tiefgehend mit der Bibel, Shakespeare und Kleist beschäftigt. Naturwissenschaftliche und theoretische Ausführungen unterlegen sein Gesamtkunstwerk, das mit Ironie, Spekulation, Realität und Fantasie spielt.

Elegante Konstruktionen und sprachliche Eigenheiten begründen den Rang von Weltliteratur. Mit Doctor Copernicus, dem ersten Teil der "Science Tetralogy", gelang ihm 1976 der Durchbruch. Die Romane Kepler, Newtons Brief und Mefisto befassen sich mit europäischer Geistesgeschichte und hinterfragen, wie einzelne Denker an deren Fortentwicklung beteiligt sind.

Die österreichische Ehrung reiht sich ans vorläufige Ende der langen Liste von Auszeichnungen; ihr ging der Booker-Preis (2005) voraus, den Banville für Die See erhielt. Immer wieder zählte er zum weiteren Favoritenkreis für den Nobelpreis. Banville, der mit der US-Künstlerin Janet Dunham zwei Söhne und mit Lebensgefährtin Patricia Quinn zwei Töchter hat, lebt in Dublin. Über sich hat er einmal gesagt, er sehe sein Schaffen zwischen den beiden Großen der irischen Literatur, Beckett und Joyce - ein göttliches Drama. (Sebastian Gilli, DER STANDARD, 24.3.2013)