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In Savar demonstrierten Angehörige und TextilarbeiterInnen gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in den Fabriken.

Foto: REUTERS/ANDREW BIRAJ

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Beim Einsturz des achtstöckigen Gebäudes blieb nur das Erdgeschoß intakt.

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Dhaka - In Bangladesh ist die Zahl der Toten nach dem Einsturz eines achtstöckigen Fabrik- und Einkaufsgebäudes auf 200 gestiegen. Die Rettungskräfte hätten die Leichen aus den Trümmern geborgen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen. Lokale Medien berichten, dass mehr als 1.000 Menschen verletzt wurden. Es wird befürchtet, dass noch mehr als 1.000 Menschen unter Betonteilen liegen.

Die Rettungsarbeiten an der Unglücksstelle in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka dauerten auch über Nacht an. "Wir bohren Löcher durch die Decken und gehen hinein", sagte Brigadegeneral Mohammad Siddiqul Alam Sikder, der die Operation leitet. Die Rettungskräfte müssten aber extrem aufpassen, da jederzeit weitere Teile der kreuz und quer liegenden Betonplatten kollabieren könnten.

Demonstrationen gegen Arbeitsbedingungen

Während am Donnerstag ein offizieller Trauertag begangen wurde, gingen tausende Textilarbeiterinnen auf die Straße, um gegen die schlechten Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Sie versammelten sich in den Hauptstadtvororten Savar und Ashulia, wo zahlreiche Textilfabriken stehen. Die Frauen verlangten, dass die Verantwortlichen für die Tragödie festgenommen werden.

Nach Informationen des Online-Nachrichtenportals "bdnews24" wurden am späten Mittwochabend zwei Klagen gegen den Besitzer des Gebäudes und die Betreiber der Textilfabriken eingereicht. Beim Bau des achtstöckigen Gebäudes sollen demnach strukturelle Fehler gemacht und minderwertiges Material verwendet worden sein.

Am Vortag wurde Riss entdeckt

Ein Polizeisprecher sagte, die Fabrikbesitzer hätten anscheinend eine Warnung missachtet, keine Arbeiter in das Gebäude zu lassen, nachdem am Tag zuvor ein Riss in dem Gebäude entdeckt worden sei. Die Textilfabriken in Bangladesch, in denen auch viele europäische Handelshäuser fertigen lassen, sind berüchtigt für schlechte Arbeitsbedingungen und mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen.

Seit Jahren auf der Straße

In den rund 4.500 Textilfabriken des Landes produzieren vor allem Frauen unter schwierigen Bedingungen Waren für westliche Bekleidungskonzerne. In den vergangenen Monaten und Jahren kam es immer wieder zu ähnlichen Katastrophen - erst im November starben bei Bränden mindestens 120 Menschen. Entweder stürzen Textilfabriken ein oder sie brennen. "Diese neuerliche Katastrophe zeigt, dass ArbeiterInnen tagtäglich ihr Leben riskieren, wenn sie in die Arbeit gehen", so Michaela Königshofer von der österreichischen Clean Clothes Kampagne in einer Aussendung.

Die ArbeiterInnen gehen zudem seit Jahren auf die Straße, um gerechte Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen - GewerkschafterInnen werden dabei oftmals verhaftet. Es ist ein Kampf, ums nackte Überleben. Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Textilproduzent der Erde. Die Branche erwirtschaftet 80 Prozent des Jahresexports des asiatischen Landes von umgerechnet 18.48 Milliarden Euro. (APA, red, dieStandard.at, 24.4.2013)