Sebastian Kurz verpasst dem Land und seinen Zuwanderern einen Wertekatalog. Für ein konfliktfreies Miteinander im Land brauche es auch einen Wertekonsens, befindet der Staatssekretär der ÖVP. Er hat ein Büchlein schreiben lassen, in dem die Prinzipien angeführt sind, auf denen der Staat Österreich fußt.

In der Fibel finden sich viele schöne Worte, und nicht alle sind inhaltsschwanger. Da mag der Vorwurf von SOS Mitmensch schon stimmen, dass es sich um eine "Alibiaktion" handelt, wenn parallel dazu die Einbürgerungspolitik von rigiden Paragrafen und schikanösen Hürden bestimmt wird. Aber auch schöne Worte können wertvoll sein. Lange genug haben die Freiheitlichen das Klima im Land vergiftet. Durch ausländerfeindliche Parolen wurde ein Klima der Angst und der Aggression erzeugt. Oft genug, vor allem in Wahlkampfzeiten, stiegen SPÖ und ÖVP wenig differenziert in das Thema ein - auf Kosten ausländischer Mitbürger.

Es ist ein entscheidender Schritt, die Emotion aus der Diskussion über Zuwanderung und Integration zu nehmen und der FPÖ das Monopol auf das Thema "Ausländer" zu entziehen. Bei aller Kritik: Dazu hat auch Sebastian Kurz beigetragen. Durchaus populistisch, aber in einem positiven Sinn. Die FPÖ kritisiert den Katalog als "Zuwanderergeschenk". Genau das haben diese auch verdient, am Beginn eines respektvollen Umgangs miteinander. (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, 25.4.2013)