Wien - Nicht nur Wien bräuchte mehr Lehrer, als das Unterrichtsministerium genehmigt, auch in anderen Bundesländern kann der Bedarf längst nicht mehr gedeckt werden. Wie vom STANDARD berichtet, klafft laut dem Stellenplan für das Schuljahr 2013/14 in der Bundeshauptstadt eine Lücke von 1148 Planstellen. Oberösterreich muss ein Minus von 140 Stellen ausgleichen, Tirol hat um 100 Dienstposten zu wenig.

Während die Länder die fehlenden Stellen selbst berappen, bleibt man in Wien dabei: Man werde die zusätzlichen Dienstposten auch weiterhin nicht selbst bezahlen. Im Gesetz sei klar geregelt, dass der Bund dafür zuständig ist, hieß es im Wiener Stadtschulrat.

Auch das Burgenland klagt diesbezüglich über den Bund. Immerhin müsse man, sagt SP-Landeshauptmann Hans Niessl, vierzig Planposten, die eigentlich der Bund zu finanzieren hätte, zahlen. Das belaufe sich auf immerhin rund 1,6 Millionen Euro im Jahr.

Bedarf durch Mittelschule

Die flächendeckende Umsetzung der Neuen Mittelschule im Burgenland hat den Bedarf klarerweise erhöht. Niessl gibt sich jedenfalls solidarisch mit Wien: "Ja, wir bringen uns schon für die anstehenden Finanzausgleichsverhandlungen in Stellung. Es kann ja nicht sein, dass die Länder auf Dauer die Verpflichtungen des Bundes übernehmen."

Auch andere Länder springen ein. Vorarlberg hat für das Schuljahr 2011/2012 acht Millionen Euro für zusätzliche 208 Lehrer lockergemacht, im aktuellen Schuljahr fehlen 250 Dienststellen. Man wolle aber nicht auf eine Einigung mit dem Bund warten, sagt der Leiter der Schulabteilung Andreas Meusburger. "Die Diskussion darf nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden."

Tirol stellt zusätzlich 100 Lehrer um knapp fünf Millionen Euro zur Verfügung. Für die zuständige Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) ist mit den vom Bund zur Verfügung gestellten Ressourcen ein qualitatives Arbeiten in Tirol nicht möglich, wie sie sagt.

Niederösterreich wiederum fördert (neben dem Bund) die Bezahlung von Freizeitpädagogen in den Schulen zur Nachmittagsbetreuung, die von den Gemeinden zu bezahlen sind. Die größte Kluft zwischen Soll- und Ist-Zustand sieht Landesschulratspräsident Hermann Helm aber beim sonderpädagogischen Förderbedarf, den nicht 2,7 Prozent der Schüler hätten (wovon der Bund ausgeht), sondern 4,8 Prozent. Das Land schichtet daher hunderte Lehrerposten um - zulasten der Haupt- und Volksschulen und dortiger Zusatzangebote wie beispielsweise Freifächer.

In Sachen Sprachförderung kritisiert Helm das starre System: Viele Schüler kämen nicht in den Genuss von Sprachförderung, weil zahlreiche Schulstandorte die Anzahl von acht förderbedürftigen Kindern unterschritten. Helm fordert, eine Pro-Schüler-Bezahlung für die Länder einzuführen (pro Schüler rund 5300 Euro). Bildungslandsrätin Barbara Schwarz (VP) wünscht sich diesbezügliche Verhandlungen mit der Unterrichtsministerin. Schwarz beziffert die Zahl der fehlenden Lehrer im Land mit 497.

Steirische Punktlandung

Lediglich in der Steiermark scheint man das schulische Auslangen zu finden. "Wir haben in den letzten Jahren immer eine Punktlandung hingelegt und sind mit dem Kontingent gut durchgekommen", sagt Jörg Schwaiger vom Büro von Bildungslandesrat Michael Schickhofer (SP). Im Gegenteil, es seien sogar einige Posten "übergeblieben". Diese seien für die Leseförderung im Behindertenbereich eingesetzt worden.

Als 2007 aufgrund des Schülerrückgangs 230 Dienstposten weniger vom Bund genehmigt wurden als im Jahr davor, finanzierte aber auch die Steiermark knapp 180 Lehrerstellen selbst. (fern, jub, ker, mue, spri, ver, wei, DER STANDARD, 25.4.2013)