Die Eurokrise ist gerade dabei, in ein neues Stadium überzugehen, und vieles spricht dafür, dass es die bisher schlimmste Phase wird. Noch dramatischer ist die Situation, weil weder Politiker noch Experten über eine Strategie verfügen, wie man aus dem tiefen Loch, in dem Europa steckt, wieder hinauskommen soll.

Der Wandel hat diese Woche einen Höhepunkt erreicht. Italien ist am Dienstag so günstig an einen Kredit gekommen, wie seit 1999 nicht mehr. Die Risikoaufschläge für Spanien sind am selben Tag auf den niedrigsten Stand seit 2010 zurückgegangen, in Frankreich sind sie ohnehin auf Rekordtief. Am Donnerstag platzte aus Madrid die Meldung, die Arbeitslosigkeit habe mit 27,2 einen Rekordwert erreicht. Rekorde melden auch Paris, Athen, Lissabon.

Die neue Krisenphase ist von entspannten Finanzmärkten gekennzeichnet. Die Interventionen der Europäischen Zentralbank und Eingriffe der Politik (Rettungsschirm) haben Investoren beruhigt. Doch mangels Investitionen in Forschung und Technologien, mangels einer Reindustrialisierungsoffensive steigt die Arbeitslosigkeit im Süden weiter. Die Sparpakete sind nicht das einzige Problem. Spanien und Co müssen so oder so auf ein neues Wachstumsmodell umstellen. Dringend diskutiert gehört, wie diese Modelle aussehen können und woher das Geld stammen soll. Sicher ist: Hätten die Arbeitslosen dieselbe Lobby wie die Finanzindustrie, Europa wäre einige Schritte weiter. (Andras Szigetvari, DER STANDARD, 26.4.2013)