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Dschochar Zarnajew befindet sich nun in Fort Devens.

Foto: AP/Amendola

New York/Wien - Dschochar Zarnajew, ist vom Krankenhaus Beth Israel Deaconess Hospital in Boston in ein Gefängnis nach Fort Devens überstellt worden. Das teilte die Polizei am Freitag mit. 

Weitere Anschlagpläne

Die mutmaßlichen Attentäter von Boston haben nach Angaben des Bürgermeisters von New York ein Attentat auf dem dortigen Times Square geplant. Dies habe der Überlebende der beiden Brüder der US-Bundespolizei FBI gesagt, sagte Michael Bloomberg am Donnerstag vor Journalisten. New York war demnach "das nächste Ziel auf der Liste" der Brüder gewesen.

"Er hat dem FBI anscheinend gesagt, dass er und sein Bruder beabsichtigten, nach New York zu fahren", sagte Bloomberg. Dort hätten sie einen Sprengstoffanschlag auf dem berühmten Times Square im Zentrum der Stadt geplant. Nach Angaben des New Yorker Polizeichefs Ray Kelly hatten die beiden bereits sechs Sprengsätze fertiggebaut. Die Entscheidung für einen Anschlag auf dem Times Square sei "spontan" gefallen.

Die beiden hätten in der Nacht zum vergangenen Freitag ein Auto gestohlen, um sich mit sechs selbst gebauten Bomben in die Millionenmetropole aufzumachen, sagte New Yorks Polizeichef Ray Kelly. "Der Plan scheiterte, als sie bemerkten, dass das entführte Auto zu wenig Benzin hatte." Als sie tankten, sei der Autobesitzer aus dem Wagen geflüchtet und habe die Polizei alarmiert. Dies habe die Großfahndung ausgelöst, in deren Verlauf Tamerlan Tsarnaev getötet und sein Bruder später schwer verletzt verhaftet wurde.

"Schreckliche Erinnerung"

Die Information über die Attentatspläne sei "eine schreckliche Erinnerung daran, dass wir Ziele für Terroristen bleiben", sagte Bloomberg, dessen Stadt noch heute von der Erinnerung an die Terroranschläge vom 11. September 2001 geprägt ist.

Die Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew sollen am Montag vergangener Woche den Doppel-Anschlag in Boston verübt haben, bei dem drei Menschen getötet und 264 verletzt worden waren. Tamerlan wurde auf der Flucht vor der Polizei getötet, sein 19-jähriger Bruder schwer verletzt gefasst.

Der Fall der beiden mutmaßlichen Boston-Attentäter wirft kein gutes Licht auf die US-Sicherheitsbehörden. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hatte nicht nur die Bundespolizei FBI die beiden schon seit längerem im Visier, sondern auch der US-Geheimdienst CIA. Wie die "New York Times" in ihrer Online-Ausgabe meldete, warf die CIA schon im Jahr 2011 ein Auge auf Tamerlan Zarnajew.

Die russischen Behörden hatten die USA gewarnt, dass es sich bei Zarnajew um einen zunehmend radikalisierten Islamisten handle. Doch wie bereits das FBI sei auch die CIA zum Schluss gekommen, dass er keine Verbindungen zu terroristischen Gruppen habe. Dennoch sei Zarnajews Name auf zwei US-Terrorlisten gekommen, die dazu dienten, die Regierung bei Auslandsreisen zu alarmieren, hieß es. Dennoch hätten die Behörden nicht eingegriffen, als Zarnajew im Jänner 2012 nach Dagestan und Tschetschenien reiste. Eines der beiden Systeme schlug überhaupt nicht an, weil Zarnajew seinen Namen falsch buchstabierte und keine Geburtsdaten angab.

Demo in Wien

In Wien fand am Donnerstagnachmittag eine Solidaritätskundgebung für die beiden Brüder statt. Rund 40 Menschen fanden sich vor der US-Botschaft in Wien-Alsergrund ein, um für Tamerlan und Dschochar Zarnajew zu demonstrieren. "Die Brüder sind unschuldig. Die USA wollen den beiden die Tat anhängen", riefen die Demonstranten. Zur Kundgebung hatten in Wien lebende Tschetschenen auf Facebook aufgerufen. "Die wahren Terroristen sitzen im Weißen Haus. Das Land der permanenten Lüge: Amerika", hieß es auf einem Transparent. 70 Polizisten waren bei der nicht angemeldeten Kundgebung im Einsatz. (APA, 25.4.2013)