Bild nicht mehr verfügbar.

Bei der Hälfte aller Überfälle ist ein iPhone Gegenstand des Raubs. Zumindest in San Francisco.

 

Foto: ap

In San Franciso beschäftigt sich eine eigene Spezialeinheit der Polizei ausschließlich mit dem Aufdecken von kriminellen Netzwerken, das mit gestohlenen iPhones hantiert. Laut "Huffington Post" wurde diese Spezialeinheiten vor drei Jahren gegründet, die sich ausschließlich dem Kampf gegen Smartphone-Diebe verschrieben haben. Auch in anderen Großstädten, wie Washington D.C. und New York, sind diese Einheiten täglich im Einsatz.

30 Milliarden Dollar

In San Francisco haben die Beamten offenbar noch mehr zu tun als in den anderen urbanen Gegenden: In keiner Stadt in den USA gibt es so viele Smartphones wie hier. Rund die Hälfte der Bevölkerung hat dort Berichten zufolge ein iPhone. Für die Krimenellen in den USA hat sich seither ein Markt aufgetan, der im Jahr etwa 30 Milliarden Dollar bringt.

Hehlerei

In San Francisco ist bei der Hälfte aller Überfälle ein Smartphone im Spiel. Zur Verfolgung vieler dieser Straftaten setzt die Polizei auf GPS als Tracking-Tool. Um den Dieben bzw. den eingesetzten Verkäufern auf die Spur zu kommen, setzt die Undercover-Polizei auf gut besuchte Märkte und Züge. Dabei haben die Beamten auch die Käufer im Visier, denn das Annehmen von Hehler-Ware ist genauso strafrechtlich relevant wie der Diebstahl selbst.

Ein Zeichen setzen

Doch dieses Vorgehen stößt bei einigen Staatsanwälten auch auf Kritik: Gegenüber der Huffington Post sagt Anwalt Chesa Boudin, dass man hier Verbrechen kreiert, indem man die Menschen dazu animiert, Verbrechen zu begehen. Es sei eine Verschwendung von Ressourcen. Zudem, so Staatsanwalt George Gascon, habe sich durch dieses Vorgehen die Kriminalitätsrate keineswegs verbessert. Man wolle aber, so die Polizei in San Francisco, ein Zeichen setzen.

Köder-iPhones stammen direkt von Apple

Der "Market" in San Francisco, ein Ort, an dem Drogen verkauft, DVDs und Kleidung unter der Hand angeboten werden, scheint für die Polizei der beste Ort für einen großen Coup zu sein. In der Regel, so der Polizeichef Joe Garrity, werden gestohlene Smartphones genau dort verkauft. Um dort zuzuschlagen, arbeitet die Polizei sogar mit echten Apple-Kennern. Ein ehemaliger Apple-Store-Mitarbeiter, der jetzt bei der Polizei ist, spielt beispielsweise den Verkäufer. Die iPhones, die hier als Köder verwendet werden, stammen direkt von Apple.

Gemeinnützige Arbeit

2011 wurden auf diese Weise in New York 237 Menschen innerhalb von nur fünf Tagen verhaftet, weil sie gestohlene iPhones entweder verkauft oder gekauft haben. Unter ihnen befand sich damals auch der 20-jährige Robert Tester, der angibt, förmlich zum Kauf gedrängt worden zu sein. Nachdem ihm der Polizist von seinen Kindern erzählt hat und dass er kein Geld für Weihnachtsgeschenke hätte, hätte sich Tester erbarmt. Er hat anschließend die Polizei verklagt. Die Anklage gegen Tester selbst wurde schließlich fallen gelassen. Die Polizei betont immer wieder, dass die Kunden genau darüber Bescheid wüssten, dass es sich um gestohlene Geräte handle. Und dieses Wissen mache sie automatisch zu Kriminellen, wenn sie auf den Deal einsteigen. Die meisten würden ohnehin mit gemeinnütziger Arbeit davonkommen.

Die Polizei in San Francisco nimmt aber nicht nur unschuldige interessierte Käufer fest. Bei einigen werden weitere Geräte gefunden, zahlreiche SIM-Karten und anderes Smartphone-Zubehör. Diese !Kunden" verkaufen die gekauften iPhones meist einfach weiter und profitieren davon. Viele müssen sie aber gehen lassen, denn immer wieder passiert es, dass die Undercover-Polizisten nicht dazu kommen, den vermeintlichen Kunden darüber aufzuklären, dass es sich um ein gestohlenes Gerät handelt. Um das zu beweisen oder zu widerlegen, sind die Beamten mit Aufnahmegeräten ausgestattet. Garrit, der Polizei-Chef in San Francisco, ist von der Strategie trotz Kritik völlig überzeugt und meint: "Irgendwas müssen wir tun. Wenn wir nur herumsitzen und nichts machen, werden diese Diebe in Schwärmen auftreten." (red, derStandard.at, 29.4.2013)