Viele große deutsche Medien dürfen nicht ins Gericht, auch österreichische Zeitungen gehen leer aus.

München/Berlin – Eigentlich ist die Angelegenheit nicht lustig. Immerhin geht es beim Prozess um die Aufarbeitung von zehn Morden, die Neonazis vom NSU verübt haben sollen. Doch als Andrea Titz, die Sprecherin des Oberlandesgericht München, am Montagnachmittag, das Ergebnis der Verlosung bekannt gibt, bricht unter den Journalisten einmal fast schon hysterisches Gelächter aus.

Die deutsche Frauenzeitschrift Brigitte hat es auf einen der 50 begehrten Presseplätze im Gerichtssaal geschafft. "Das wusste ich, dass ich hier den größten Lacheffekt haben werde" , sagt Sprecherin Titz trocken.

Zu verdanken ist die große Gerichtslotterie der türkischen Zeitung Sabah. Diese war im ersten Akkreditierungsverfahren ("wer sich zuerst anmeldet, kommt in den Saal" ) wie alle anderen türkischen Medien auch leer ausgegangen und hatte deshalb Beschwerde beim deutschen Bundesverfassungsgericht eingelegt.

Mit Erfolg. Dieses nämlich urteilte, türkische Medien müssten angemessen berücksichtigt werden, da acht der zehn Mordopfer aus der Türkei stammten. Das OLG München schrieb darauf­-
hin das Akkreditierungsverfahren komplett neu aus und entschied sich für das Losprinzip.

Am Montag nun wurden die Plätze von einem Münchener Notar gezogen, 324 Pressevertreter wollten einen der 50 Plätze. Sabah ist nun dabei, auch die große türkische Zeitung Hürriyet und das al-Dschasira-Büro Istanbul. Geschafft haben es in der Gruppe der ausländischen Medien auch das Svenska Dagbladet und die Neue Zürcher Zeitung. der Standard, wie auch alle anderen österreichischen Medien, ging leer aus.

Radio Lotte Weimar ist drin

Zufrieden ist man in den Redaktionen der Deutschen Presseagentur (dpa), ARD, Bild, Spiegel, Focus, Lübecker Nachrichten, dem lokalen Onlineportal hallo-muenchen.de, Radio Lotte Weimar oder der Pforzheimer Zeitung, die online sogleich stolz vermeldete: "PZ ergattert Presseplatz."

Weniger erfreut hingegen sind große überregionale Medien, denen das Losglück nicht hold war. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) geht ebenso leer aus wie die Welt oder der Stern. Auch die Süddeutsche Zeitung (SZ) ist nicht dabei. Allerdings schaffte es das Magazin, das der Zeitung jeden Freitag beiliegt, auf die Liste.

Besonders sauer ist die tageszeitung (taz). Sie war im ersten Verfahren noch auf Platz eins gelistet, bei der Verlosung jetzt kam sie jedoch nicht zum Zug. Chefredakteurin Ines Pohl erwägt eine Klage, um eine Videoübertragung für weitere Journalisten in einen anderen Saal zu erkämpfen.

"Ich hoffe, dass nicht wieder der Beginn verzögert wird, denn unsere Kernaufgabe ist ein ordnungsgemäßes und revisionssicheres Verfahren", sagt Gerichtspräsident Karl Huber. Eigentlich hätte die Hauptverhandlung am 17. April beginnen sollen. Nun peilt man den 6. Mai an.  (Birgit Baumann /DER STANDARD, 30.4.2013)